Der Hexenclub vs. Der Hexenclub (Filmvergleich)

Der Okkulthorrorfilm Der Hexenclub bzw. The Craft von Andrew Fleming löste 1996  einen Hexen-Hype in Hollywood aus und inspirierte andere Regisseure dazu, sich mit der Thematik auseinanderzusetzen. Letztes Jahr kam endlich eine Fortsetzung zu dem Film. Doch kann diese mit dem ersten Teil mithalten? Oder hätte man es lieber bei einem Teil belassen sollen?

Als die ersten Gerüchte zu The Craft: Legacy (Blumhouse Der Hexenclub) aufkamen, gingen viele von einem Remake und nicht von einer Fortsetzung aus. Bei einigen Horrorreihen könnte man sich natürlich die Frage stellen, wo eine Fortsetzung aufhört und ein Remake beginnt. Von einer Fortsetzung erwarte ich in der Regel eine Fortführung der Story wie in Scream oder Saw. Ein Remake hingegen ist die gleiche Geschichte nochmal, nur entweder moderner, oder in einigen Fällen auf einen anderen Kulturkreis gemünzt —, obwohl das nochmal ein ganz anderes Thema ist. Schaut man sich jedoch längere Reihen wie Freitag der 13, Hellraiser oder Halloween an, werden die Geschichten aus den vorherigen Teilen nicht immer unbedingt fortgesetzt. Aber es bleibt zumindest oft eine an vorangegangenes anknüpfende Konstante bestehen oder es ist offensichtlich nicht die Story aus dem ersten Teil. 

Bei The Craft: Legacy eröffnet sich hier jedoch das erste Problem für mich, aber nochmal ein paar Schritte zurück. Worum geht es in den Filmen?

The Craft Inhalt

Sarah (Robin Tunney) zieht nach einem Selbstmordversuch mit ihren Eltern nach Los Angeles. Ihre ersten Tage an der neuen Schule fallen ihr nicht leicht. Der Mädchenschwarm Chris (Skeet Ulrich) ist erst sehr nett zu ihr, erzählt jedoch später herum, sie hätten miteinander geschlafen und sie wäre eine traurige Angelegenheit. Nur die drei als Hexen verschrienen Mädchen Nancy (Fairuza Balk), Bonnie(Neve Campbell) und Rochelle (Rachel True) schenken den Lügen von Chris keinen Glauben und nehmen Sarah in ihrer Mitte auf. Damit komplementieren sie ihren Hexenzirkel. Bei einem Ausflug in die Natur schwören sich die vier Hexen während eines Rituals mit einem Blutschwur die Treue.

Fortan sind die vier die besten Freunde und experimentieren mit verschiedenen Zaubern, um sich selbst zu stärken und auch um Rache auszuüben. Dabei ignorieren die vier Hexen die wichtigste Regel: Alles, was man aussendet, kehrt dreifach zu einem zurück.

Spoiler
So führt ein Liebeszauber beinahe zu einer Vergewaltigung.
Die Ereignisse überschlagen sich immer mehr und Sarah bekommt das Gefühl, dass insbesondere Nancy von ihren Zauberkräften befreit werden muss.

The Craft: Legacy Inhalt

Lily (Cailee Spaeny) zieht mit ihrer Mutter in eine neue Stadt zu dem neuen Freund ihrer Mutter. Neben drei neuen Stiefbrüdern fällt ihr insbesondere der Umgang mit ihren neuen Mitschülern schwer. Als Lily aufgrund einer zu starken Regelblutung ihre Kleidung unfreiwillig einfärbt, wird sie von dem besten Freund ihres Stiefbruders vor der ganzen Klasse blamiert. Doch drei Mädchen beteiligen sich nicht an dem Mobbing, sondern eilen Lily zur Hilfe und laden sie ein, mit ihnen abzuhängen. Als am nächsten Tag Lily einen der Mobber durch die Luft wirbelt, ist der Fall für die drei Mädchen klar: Sie ist das vierte Mitglied ihres Hexenzirkels, um die vier Elemente zu vereinen. Fortan erkunden die vier ihre magischen Kräfte und schlagen auf ihre Art zurück. Doch als es Tote gibt, steht die Frage im Raum, ob sie überhaupt mit den ihnen geschenkten Kräften umgehen können.

Remake oder Fortsetzung?

Zugegeben der Hexenclub aus dem Jahr 1996 hat natürlich voll meine Jugendzeit und damit auch meinen Jugendstil getroffen und ergattert sich damit einige Pluspunkte. Doch insgesamt erschien mir das Werk damals stimmiger. So harmonieren Musik, Farbstil und auch der Kleidungsstil der Charaktere miteinander. In der neuen Version ist alles wild und bunt. Die Mädchen haben jede ihren eigenen, sehr extravaganten Stil, bleiben aber als Charaktere unglaublich blass. Die Hintergrundgeschichten aus dem Original gibt es hier für die drei Nebencharaktere nicht. Die Musik ist zwar außergewöhnlich, aber mag sich nicht an die Bilder schmiegen. Es wirkt alles ein wenig so, als ob über das Original ein bunter Snapchat-Filter gelegt wird.

Auch die Hexenkräfte fallen in der 2020er Version deutlich stärker aus und profitieren natürlich von heutigen Effekten, werden damit aber auch deutlich unrealistischer. Im Original brauchten die Mädchen noch Geduld und Erfahrung und die Zauber entfalteten sich manchmal erst später. Erst zum Ende hin zeigten sich die Kräfte der Mädchen. Dabei passen die unterschiedlichen Magiedarstellungen in den jeweiligen Filmstil, erinnerten im neuen Teil dadurch aber manchmal auch ein wenig an Sabrina – Total Verhext!.

Dafür bietet der neue Teil mehr Tiefgang für den männlichen “Antagonisten”. Als Zuschauer erfahren wir mehr über seine Hintergründe und Motive. Dadurch ist er nicht wie Chris nur ein Handlungsobjekt, sondern auch ein Charakter.

Ich schreibe hier nun die ganze Zeit sehr bewusst von einem Original und nicht von einem ersten Teil. Zwar bezeichnet sich die neue Version als Fortsetzung, aber tatsächlich handelt es sich in meinen Augen vielmehr um eine Neuverfilmung bereits bekannten Filmmaterials. Zwar knüpft die 2020er Version eine lose Verbindung zum Original, aber für eine Fortsetzung fehlen mir einfach charakteristische Merkmale.
Hinzu kommt, dass die Story sich sehr dicht am Original bewegt, sodass zum Teil einige Szenen einfach nur mit einem “moderneren” Stil übernommen wurden. Dieser neue Stil trägt auch dazu bei, dass ich den Film eher als ein Remake wahrnehme. Dabei geht es mir nicht um einen zeitgemäßen Kleidungsstil oder neuere Musik, sondern die allgemeine Atmosphäre. So fehlen auch die Horrorelemente des Originals und das Ganze hat mehr etwas von einem Fantasy Coming-of-Age Film. Tatsächlich hätte ich die Geschichte rund um Lilys neue Situation ohne Magie deutlich spannender gefunden.

Fazit

Mit dem Hexenclub aus dem Jahr 1996 hat die 2020er Version trotz Querverweis wenig zu tun. Wer einen netten Coming-of-Age Film mit einem Spritzer Magie für Kinder haben will, der kann sich die neue Version anschauen. Wer Fan des Originals ist, sollte es lieber nicht tun. Und wem schon das Original zu sanft war, sollte einen sehr großen Bogen um die Neuverfilmung machen. 

Titebild von Ron Lach von Pexels

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