Geister und Legenden: Das Geisterschiff

Die RMS Queen Mary transportierte von 1936 bis 1967 tausende Menschen sicher über den Ozean und liegt heute als Hotel in Long Beach, Kalifornien (USA), vor Anker. Wer ein Zimmer in dem ehemaligen Passagierschiff bucht, kann seit 2018 auch eine heimgesuchte Suite wählen, um den Geistern des Schiffes zu begegnen. Doch wie wurde aus einem ehemaligen Luxusdampfer ein Geisterschiff?

Von der Jungfernfahrt zum Zusammenstoß

Als die RMS Queen Mary im Jahr 1936 in See sticht, befördert sie die Passagiere sicher von Southhampton nach Cherbourg und von da aus nach New York. Eine Strecke, die sie in den nächsten drei Jahren mehrmals ohne besondere Vorkommnisse passieren sollte. Mit dem Zweiten Weltkrieg wendete sich jedoch das Blatt für die RMS Queen Mary.

Dank ihrer hohen Geschwindigkeit eignete sich der Luxusdampfer perfekt für Truppentransporte. Am 02. Oktober 1942 passierte dann das erste große Unglück: Aufgrund eines U-Boot-Alarms leitete die RMS Queen Mary ein taktisches Ausweichmanöver ein und rammte dabei ihr Geleitschiff, den Kreuzer HMS Curacao. 300 Menschen starben, als der Kreuzer in der Mitte durchbrach und die RMS Queen Mary ungeachtet der Hilfe rufenden Männer weiterfuhr. Tatsächlich war es Schiffen während Kriegs strikt untersagt anzuhalten, auch wenn es darum ging, andere zu retten. Schlimmer noch die RMS Queen Mary hatte die Anweisung, unter keinen Umständen ihr Tempo zu drosseln, wodurch vermutlich viele der Männer in die Propeller des Schiffes gerissen wurden.

Ab 1947 nahm die RMS Queen Mary dann wieder ihren Dienst als Linienschiff auf, gehörte zu diesem Zeitpunkt jedoch bereits zu den eher langsamen Transportern. 

Die Geistergeschichten beginnen

Im Jahr 1967 legte die RMS Queen Mary schließlich ein letztes Mal in Long Beach an, wo sie auch heute noch steht. Seitdem kommen immer wieder Geschichten über Geister auf. So kann man – mit etwas Glück oder Pech – eine Frau in einem weißen Kleid im Speisesaal erblicken oder auch nur ihren Schatten, wie er sich tanzend über die Tanzfläche bewegt. Manchmal soll auch ein Mann im Kleidungsstil der 1930er durch den Saal schreiten.

Ein weiterer Ort des Schiffes, an dem sich Übernatürliches abspielt, ist der mittlerweile geleerte Pool. Aufmerksame Beobachter können hin und wieder nasse Fußabdrücke am Boden des Pools, die sich in Richtung der Umkleidekabinen bewegen, ausmachen. Auch das Geräusch von spritzenden Wasser soll noch immer durch den Raum hallen, manchmal sind auch Personen zu sehen, die angeblich einst im Pool ertrunken sind.

Ein weiterer Geist (und vermutlich der Älteste auf dem Schiff) ist bei Schott Nummer 13 anzutreffen. Hier starb ein 18-Jähriger am 10.07.1966, als er beim Testen der automatisch schließenden Schotttüren aus Versehen zerquetscht wurde. Sein Geist soll immer wieder den Gang entlang gehen und schließlich in der besagten Unfalltür verschwinden. Auch ein Offizier soll auf dem Schiff durch ein Missgeschick den Tod gefunden haben. Im Maschinenraum wollte sich dieser einen Schluck Gin genehmigen und griff aus Versehen nach Tetrachlorid. Auch ein Koch soll auf dem Schiff ein eher unliebsames Ende genommen haben. Da den Soldaten im Zweiten Weltkrieg sein Essen nicht geschmeckt haben soll, wurde dieser kurzerhand in einem Ofen verbrannt. Der Geruch der Verbrennungen und seine Schmerzensschreie sollen heute noch die Küche erfüllen. Beweise für diesen Vorfall gibt es jedoch nicht.

Wem das noch nicht genug ist, kann auch die Erste Klasse des Schiffes aufsuchen. Hier werden Besucher vornehmlich von schweren Atemgeräuschen, Geräuschen fließenden Wassern, mysteriösen Telefonklingeln und flackernden Lichtern begleitet. In der Nacht zupft auch der eine oder andere Geist gern am Laken herum. Wer sich hingegen in die dritte Klasse traut, wird sogar manchmal Babygeschrei hören können.

Und zu guter Letzt, die Suite, die bis 2018 nicht vermietet wurde: Über die Kabine B340 hat sich schon so mancher Gast beschwert. Nächtliches Geklopfe an der Tür, klappern mit der Badezimmertür, das Ein- und Ausschalten diverser Geräte und ein dunkler Schatten der am Ende des Bettes steht. Wer dahinter steckt, weiß niemand. Es gibt dutzende Legenden und eine ist obskurer als die andere. Doch das Hotel hat aus diesem Fluch ein Segen gemacht. Für den stolzen Preis von fast 500 Dollar kann das Zimmer wieder gemietet werden, inklusive Ouija-Brett, Tarot-Karten und einer Kristall-Kugel. Wer also noch eine Idee für den nächsten Urlaub braucht …

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