Europäische Geistergeschichten: Die Burg Hohenzollern und die Legende der Weißen Frau

Wer das Wort Geistergeschichten hört, denkt meist an Amerika. Kein Wunder. Viele Filme werben mit “Nach einer wahren Begebenheit”. Doch auch Europa hat so manche düstere Legende. Heute begeben wir uns nach 

„Gehüllt in weiße Witwentracht,

Im weißen Nonnenschleier,

So schreitet sie um Mitternacht

Durch Burg und Schlossgemäuer“

Christian zu Stolberg-Stolberg 1814

Die Legende nach trieb die Weiße Frau schon vor Jahrhunderten ihr Unwesen in verschiedenen Schlössern des europäischen Adels. Stets war sie die Vorbotin eines schrecklichen Ereignisses. 

Burg Hohenzollern

Auch die Burg Hohenzollern soll von der Frau in Weiß heimgesucht worden sein. Die Burg Hohenzollern ist die Stammburg des gleichnamigen Fürstengeschlechts und ehemals regierenden preußischen Königs- und deutschen Kaiserhauses der Hohenzollern. Sie liegt in Baden-Württemberg auf der Gemarkung der Gemeinde Bisingen. Das Haus Hohenzollern wurde personenbezogen im Jahr 1061 zum ersten Mal dokumentarisch erwähnt.

Es wird angenommen, dass die Burg in der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts erbaut wurde.

1423 wurde die Burg völlig zerstört. Ab 1454 erfolgte dann der Bau einer zweiten Burganlage. Im 30-jährigen Krieg wurde die Burg sogar zu einer Festung ausgebaut. Danach wechselten ihre Besitzer stetig. Nach Abzug der letzten österreichischen Truppen 1798 klang das Interesse am Wehrbau kontinuierlich ab, sodass dieser langsam zerfiel. Anfang des 19. Jahrhunderts bot sich einem daher bereits eine Ruine. Kronprinz Friedrich Wilhelm von Preussen fasste schon 1819 den Wunsch, die Stammburg des Hauses Hohenzollern wieder aufzubauen.

Ab 1850 setzte er seine Pläne in die Tat um. 1952 ließ Prinz Louis Ferdinand von Preußen die Burg mit historisch bedeutsamen Gegenständen zur Geschichte Preußens und seiner Könige ausstatten. Sowohl 1970 als auch 1978 hinterließen Erdbeben Schäden an der Burg, deren Reparatur noch heute mit den Eintrittsgeldern bezahlt werden müssen. 

Die Legende der Weißen Frau

In den Gängen der Hohenzollern-Burg soll eine weiße Frau ihr Unwesen treiben. Sie galt bereits bei ihrem ersten Erscheinen als böses Omen, folgten ihrem Erscheinen zum Beispiel Todesfälle in der Familie oder andere Katastrophen.

Es gibt verschiedene Geschichten darüber, wer diese weiße Frau sein könnte, doch die bekannteste rankt sich um die Gräfin von Orlamünde. Nach dem Tod ihres Gemahlen verliebte sie sich in Albrecht den Schönen (1319-1361), der ein Mitglied der Familie der Hohenzollern war. Der Legende nach erwiderte auch Albrecht ihre Liebe, doch konnte er sie nicht ehelichen. Er sprach davon, dass stets vier Augen ihrer Beziehung im Wege stehen würden. Albrecht meinte damit seine Eltern, doch die Gräfin dachte, dass er auf ihre beiden Kinder abzielen würde. Aufgrund dieses bitterlichen Missverständnisses tötete sie ihre Kinder, indem sie ihnen mit einer Nadel in den Kopf stach, wodurch sie den begangenen Mord zunächst vertuschen konnte, da ihre Methode keine offensichtlichen Spuren hinterließ. Nur Albrecht erkannte, was die Gräfin wirklich getan hatte, und verließ sie sofort. Ab hier führt die Legende in zwei unterschiedlichen Versionen fort: In der einen ging die Gräfin, von Reue ergriffen, nach Rom, bat beim Papst um Vergebung und gründete ein Kloster. In der anderen Version stürzte sie sich einen Fluss und ertrank. 

Dass diese Legende so nicht stimmen kann, wurde schon von einigen Historikern bewiesen: Die Gräfin hatte nie Kinder und konnte diese demnach auch nicht umbringen. 

„Und dacht, die Kindlein, die ich hätt’/ Werden gewiß die Augen sein,/ die mich berauben des Buhlen mein!/ Und wurd‘ das Weib so gar bethört,/ Daß sie ihre eigen Kinder ermördt,/ Und jämmerlich ihres Lebens beraubt,/ Daß sie es mit Nadeln in ihr Haubt/ Stach in ihre Hirnschall,/ Die zart und weich überall.“

Chronik des Pfarrers von Melkendorf

Dennoch soll kurz nach dem Ableben der Gräfin die Weiße Frau das erste Mal gesichtet worden sein. Augenzeugen beschrieben, dass die Frau in der typischen Witwenkleidung gesehen wurde. Nach den Sichtungen verstarben meist Familienmitglieder der Hohenzollern, obwohl die Frau selbst nur still durch die Gänge wandelte. 

Im Zweiten Markgrafenkrieg (1552-1554) zeigte sich der Geist jedoch nicht mehr so friedlich: Als Markgraf Georg Friedrich I. von Brandenburg-Ansbach (1539-1603) die Burg in seinen Besitz nehmen wollte, rasselte die Frau mit Ketten, erwürgte schließlich einen der Bediensteten des Markgrafen und schlug ihn somit in die Flucht. 

1598 soll die Weiße Frau auch im Berliner Stadtschloss, dem Residenzschloss der Hohenzollern, gesichtet worden sein und zwar acht Tage vor dem Tod des Kurfürsten Johann Georg von Brandenburg (1525-1598). Dabei soll die Frau jedoch nicht wie die Gräfin ausgesehen haben, sondern wie Anna Sydows.

Anna Sydows war eine Mätresse des Vaters von Johann Georg, die der Kurfürst hatte festsetzen lassen und schließlich in der Haft verstarb. In den folgenden Jahren wurde sie immer wieder vor Todesfällen gesichtet. Wer der Weißen Frau feindlich begegnete, wurde von ihr angriffen. So stieß sie einen Mann die Treppe herunter, als er sie beschimpfte. Als 1709 ein weibliches Skelett gefunden wurde, glaubte man, den Ursprung der Weißen Frau gefunden zu haben. Man bestattete die Leiche dem christlichen Gebot nach anständig, in der Hoffnung sie damit für immer zu vertreiben. Ohne Erfolg.

Ihr letztes Erscheinen in dem Berliner Stadtschloss lässt sich auf den 26. Mai 1940 datieren. Zu diesem Zeitpunkt war das Schloss aber nicht mehr im Besitz der Hohenzollern. 

„Das ist die Sage: und will Gefahr

Die Hohenzollern umgarnen,

Da wird lebendig ein alter Fluch,

Die weiße Frau im Schleiertuch

Zeigt sich, um zu warnen.

Sie kommt dreimal, geht um dreimal,

Zögernder immer und trüber,

Die Wache ruft ihr Halt-Werda nicht mehr,

Sie weiß, den Gast schreckt kein Gewehr; –

Der Schatten schreitet vorüber.“

Theodor Fontane: Die weiße Frau

Das Beitragsbild stammt von der Seite Pixabay und wurde von Mysticsartdesign erstellt.

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