Europäische Geistergeschichten: Friedhof der Namenlosen

Wer das Wort Geistergeschichten hört, denkt meist an Amerika. Kein Wunder. Viele Filme werben mit “Nach einer wahren Begebenheit”. Doch auch Europa hat so manche düstere Legende. Heute begeben wir uns nach Österreich nahe Wien zum Friedhof der Namenlosen.

Im Gegensatz zu unseren bisherigen europäischen Geistergeschichten handelt es sich bei dem Friedhof nicht um den Ort einer bestimmten Heimsuchung. Kein Geist mit einer Geschichte oder ein dämonisches Wesen, sondern vielmehr eine beunruhigende und bedrückende Präsenz wird dem recht kleinen Friedhof nachgesagt.

Erster Friedhof der Namenlosen

Der schlichte Friedhof beherbergt nur wenige Tote und nur ein Bruchteil der zumeist hölzernen Grabmale tragen einen Namen. Personen, die in ihrem Tode nicht mehr identifiziert werden konnten, wurden hier beerdigt. Einige Leichen waren zum Zeitpunkt ihrer Auffindung bereits dermaßen unkenntlich, dass eine Identifizierung schlicht nicht mehr möglich war. Andere hatten einfach keine Verwandten oder Freunde mehr, welche die Verstorbenen hätten erkennen können. Denn ein Großteil der Toten auf dem Friedhof der Namenlosen wurden aus der Donau gefischt.

1840 wurde die erste Wasserleiche in der Nähe des Friedhofs geborgen und vor Ort bestattet. In den folgenden Jahren wurden es mehr. Der Grund: ein Wasserstrudel trieb immer wieder die Körper von Ertrunkenen ans Ufer. Ein reguläres Begräbnis blieb diesen Toten verwehrt, insbesondere weil bei vielen angenommen wurde, dass es sich um Selbstmörder handelte.

Bis 2012 wurde der Friedhof der Namenlosen immer wieder überflutet und musste mehrmals erneuert werden, bis dieser im Zuge von Erweiterungen des Hafengebiets und des Hochwasserschutzes ein jähes Ende fand und planiert wurde.

Zweiter Friedhof der Namenlosen

Bezirksvorsteher Albin Hirsch setzte sich bereits 1900 für einen zweiten Friedhof ein, welcher seinen Platz hinter dem Hochwasserschutzdamm auf einem Waldstück fand und bis heute besucht werden kann. 1918 wurde der zweite Friedhof kurzzeitig stillgelegt, da Holzkreuze sowie ausgegrabene Särge geplündert wurden. Der Friedhof erhielt eine Auferstehungskapelle, welche am 9. Oktober 1935 geweiht wurde. Bereits vier Jahre später ändert sich die Strömungsverhältnisse der Donau derart, dass keine weiteren Leichen mehr angespült wurden. Die letzte Beisetzung fand entweder 1940 oder 1953 statt. Offizielle Angaben in Relation zu Inschriften in den Grabsteinen widersprechen sich in diesem Fall.

Das Beitragsbild stammt von der Seite Pixabay und wurde von Mysticsartdesign erstellt.

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