Literatur

Rezension: Hope’s End: Du kannst niemandem trauen

Eine 17-jähriges Mädchen tötet 1929 in einer Nacht ihre Eltern und ihre kleine Schwester. Der Mangel an Beweisen führt jedoch zum Freispruch. Fünfzig Jahre später soll sich die Pflegekraft Kit  nun um die angebliche Mörderin kümmern. Zu ihrer Überraschung ist diese bereit, ihr alles zu erzählen. 

Hope’s End ist das bereits sechste Buch von Riley Sager, welches beim dtv-Verlag erschien.

Inhaltsangabe von Hope’s End

Sechs Monate lang war Kit suspendiert, nachdem ihre letzte Patientin an einer Überdosis Medikamente gestorben war. Umso erleichterter ist sie, dass sie endlich wieder einen Auftrag bekommt und nicht mehr mit dem Schweigens ihres Vaters in einem Haus ausharren muss. Doch als sie erfährt, dass sie die berüchtigte Lenora Hope pflegen soll, wandelt sich diese Erleichterung in Sorge. Als Kind kannte sie bereits den makaberen Reim, der die Bluttat aus dem Jahr 1929 auf anschauliche Weise zusammenfasst. Lenora Hope hat, wenn es nach den Bewohnern von Maine geht, ihre Eltern kaltblütig erstochen und danach ihre jüngere Schwester erhängt.

Doch Kit bleibt keine andere Wahl, wenn sie wieder arbeiten will, muss sie diesen Fall übernehmen. Dafür zieht sie auf das palastartige Anwesen Hope’s End, welches bedrohlich über einer Klippe ragt und sich Jahr für Jahr dem Meer nähert. Auf dem Anwesen befindet sich jedoch nur noch das nötigste Personal. Das Dienstmädchen Jessie, der Parkpfleger Carter, der Koch Archie und die Hausverwalterin Miss Baker. Die beiden letztgenannten arbeiteten bereits vor den Morden für die Familie Hope und sind trotz aller Verdächtigungen Lenora Hope treu geblieben.

Miss Baker informiert Kit darüber, dass ihre neue Patientin bereits mehrere Schlaganfälle erlitten hat . Miss Hope kann nicht sprechen, nicht gehen, nur ihren linken Arm kann sie noch bewusst einsetzen. Mit simplen Klopfzeichen ist Lenora zumindest in der Lage “Ja” oder “Nein” zu sagen. Doch bereits nach kurzer Zeit erfährt Kit, dass Miss Baker ihr entweder bewusst oder unbewusst nicht die ganze Wahrheit erzählt hat. Lenora Hope hat von ihrer letzten Betreuerin Mary, die in einer Nacht und Nebel Aktion das Anwesen verlassen hat, gelernt, eine Schreibmaschine zu verwenden. Genau über diese Schreibmaschine teilt sie Kit nun mit, dass sie ihr die ganze Geschichte über die Nacht des Mordes erzählen will. Erst unsicher, ist Kit bereit, sich diese Geschichte anzuhören und die Version von Lenora zumindest Gehör zu schenken. Immerhin weiß sie selbst, wie es ist, wenn keiner einem glaubt. 

Leseeindruck zu Hope’s End

Wie für ein Werk von Riley Sager üblich, haben wir als Protagonist eine Frau, die es nicht immer leicht in ihrem Leben hatte. Die bereits tiefe Sorgen und Erlebnisse mit sich rumschleppt und dennoch die nötige Neugier mitbringt, sich auf noch dunklere Geheimnisse einzulassen. Kit ist damit eine sehr greifbare Figur, auch wenn wir ansonsten recht wenig über sie erfahren: Leidenschaften, Hobbys und Träume sind kein Thema. Zumindest nicht, wenn es um Kit geht. 

Sobald wir die Geschichte von Lenora lesen, befinden wir uns in einer Handlung, die sich um die Wünsche und Ängste eines Mädchen oder besser gesagt einer heranreifenden Frau dreht. Dabei muss man jedoch Lenoras aufgeschriebene Geschichte von Anfang an unter einem ganz klaren Gesichtspunkt betrachten: Sie ist eine unzuverlässige Erzählerin. Sie gibt nur so viel Preis, wie sie gerade möchte, sie legt absichtlich falsche Spuren und bis auf sie selbst sind alle Personen in ihrer Handlung recht negativ gezeichnet. Erst durch Hinweise anderer Charaktere, die diese Zeit  ebenfalls erlebt haben, rückt das Bild in ein rechtes Licht und Kit und dem Leser bietet sich damit die Möglichkeit wirklich die ganze Geschichte der Mordnacht zu verstehen. 

Dabei hält Riley Sager durch verschiedene Elemente die Spannung aufrecht und bietet auch in der Gegenwart immer wieder neue Puzzelsteine, die mal in das Gesamtkonzept passen und sich manchmal erst später anfügen lassen.

Insgesamt also eigentlich ein spannender Thriller, wären da nicht die ungefähr letzten hundert Seiten der Gegenwartsstory. Riley Sager macht etwas, was ein Buch leider sehr schnell kaputt machen kann. Erstens, ein zu großer Zufall wird zum Schlüssel der Handlung. Ein Zufall, den man für sich alleine noch akzeptieren könnte. Zweitens, die Charaktere beginnen sich teils unrealistisch zu verhalten, um eine größere Dramatik aufzubauen. (Aufgrund ihres Spoilergehalts muss ich hier jedoch auf konkrete Beispiele verzichten .) Drittens, Riley Sager möchte zu sehr überraschen. Der Mord ist aufgeklärt die Geschichte ist eigentlich an ihrem Endpunkt angelangt, doch er möchte dem Ganzen noch eine Krone aufsetzen. Damit wirkt alles sehr konstruiert und macht auch nicht wirklich Spaß zu lesen.

Fazit zu Hope’s End

Insgesamt ist Rileys Sager neuester Thriller eine spannende Geschichte, die zu unterhalten weis. Jedoch begeht Sager am Ende direkt drei No-Gos, die man in jedem kreativen Schreibkurs lernt, die der Story leider einen Abbruch tun und damit Hope’s End zwar zu einer guten Geschichte, aber zu Sagers schlechtestem Buch machen. 

Buchtitel: Hope’s End
Autor: Riley Sager
Verlag: dtv Verlag
Buchseiten: 480 Seiten
ISBN: 978-3-423-21891-7

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Jasmin Dahler

Obwohl sie sich auf jedes Horror-Genre einlässt, sind ihre heimlichen Favoriten der Teenie-Slasher und die Home Invasion Filme. In ihrer Büchersammlung verläuft sich eher selten ein Werk von Stephen King oder Campbell, aber dafür findet sich jeder Poe Text mindestens dreimal in diversen Sammelbänden.

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