Europäische Geistergeschichten: Die Geisterinsel

Zehntausende verscharrter Leichen auf einer Insel? Schauergeschichten finden sich nicht nur in Amerika. Auch in Europa gibt es Legenden, Mythen und Wahrheiten, die Angst und Schrecken auslösen können. Heute begeben wir unserer Reihe der Europäischen Geistergeschichten nach Italien zu der Insel Poveglia.

Pest, Cholera und Wahnsinn

In der Lagune von Venedig tummeln sich die Isole del Dolore – die Inseln des Schmerzes. Der Grund für diese Bezeichnung ist die sieben Hektar große Insel Poveglia. Sie wird von einigen auch als die Insel des Wahnsinns oder einfach nur die Hölle genannt. 

Ihre traurige Geschichte beginnt eigentlich im 5. Jahrhundert als Ort des Schutzes für die Römer. Doch als die Pest in Europa wütete, wurde das Eiland ab 1423 als Quarantänestation genutzt. Jene, die hier der Pest zum Opfer fielen, wurden auch gleich vor Ort begraben. Fortan war Poveglia ein Ort der Isolation und Ausgrenzung.

Doch nicht nur Menschen, die Anzeichen des schwarzen Todes aufwiesen oder derer verdächtig wurden, wurden auf die Insel verbannt. Auch Cholerakranke folgten alsbald diesem bitteren Schicksal. Einige behaupten sogar, dass die Menschen dort direkt bei lebendigem Leib verbrannt wurden. Ein Gedenkstein aus dem 18. Jahrhundert erinnert zumindest noch immer an diejenigen, die an den Krankheiten starben und nun dort vergraben liegen.

In den 1920ern wurden dann wieder gezielt Menschen auf die Insel geschickt, um sie von anderen Personen fernzuhalten. Ihre neue Heimat war die sogenannte Stazione Sanitaria di Poveglia, eine Anstalt, deren Existenz angeblich geheim gehalten wurde und dessen Bewohner wohl hauptsächlich aus Frauen bestanden haben soll. Der leitende Doktor der Anstalt, so heißt es, soll zudem grausame Experimente an den Patientinnen durchgeführt haben. Eine seiner liebsten Behandlungsmethoden war die Lobotomie, die Durchtrennung von Nervenbahnen im Gehirn.

Poveglia Closeup of Hospital von Chris 73 / Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0

Später soll der besagte Doktor selbst dem Wahnsinn verfallen sein und sich während eines Anfalls vom Turm geworfen haben. Die Legende besagt, dass er jedoch nicht von dem Aufprall starb, sondern ihn ein geisterhafter Nebel erstickte. 

Seit der Schließung des vermeintlichen Krankenhauses 1968 ist die Insel wieder verwaist. Die Ruinen dürfen offiziell nicht besucht werden. Dennoch fahren immer wieder Personen mit privaten Booten zu der kleinen Insel. 

Vermutlich ist es nur eine Frage der Zeit, bis aus Unachtsamkeit oder „anderen“ Gründen das Eiland wieder von sich reden machen wird …

Das Beitragsbild stammt von der Seite Pixabay.

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