Europäische Geistergeschichten: Spuk von Rosenheim

Im Herbst 1967 gab es in einer Anwaltskanzlei eine Reihe von seltsamen Ereignissen, die noch immer als Spuk von Rosenheim bekannt sind. Unsere europäische Geistergeschichte führt uns heute nach Bayern in die kreisfreie Stadt Rosenheim.

Lampen fallen aus, Bilder drehen sich an den Wänden, Telefone tätigen von alleine Anrufe. So könnte ein Horrorfilm über einen verstimmten Poltergeist anfangen. Doch genau das soll sich auch in der Rosenheimer Anwaltskanzlei Adam ereignet haben. 

Im Frühling 1967 fällt dem Rechtsanwalt Adam auf, dass Telefongespräche vermehrt zusammenbrechen und dass immer Mal wieder verschiedene Telefonapparate in der Kanzlei klingeln, ohne dass jemand angerufen hätte. Irgendwann reicht es dem Rechtsanwalt und er schaltet die Rosenheimer Stadtwerke ein. Sie sollen das lästige Problem endlich beseitigen. 

Im November desselben Jahres, an einem regnerischen Tag, kommen die Elektriker Zacher, Mayr und Schartel vom Prüfamt des Rosenheimer Stadtwerks in die Kanzlei und wollen dem Problem auf den Grund gehen. Sie sind mit seiner Zeit modernster Technik ausgestattet und sind sich trotz der eher ungewöhnlichen Problemmeldung sicher, dass sie einen Grund und eine Lösung finden werden. 

Gibt es ein Problem mit den Leitungen?

Im selben Gebäude wie die Kanzlei befindet sich auch eine Arztpraxis und die Elektriker haben eine erste Vermutung. Daher fragen sie bei jenem Arzt nach, wann er seine Röntgengeräte das letzte Mal gewartet hat. Doch wie sich zeigt, sind die Röntgengeräte in einem tadellosen Zustand.

Die Elektriker überlegen sich eine neue Vorgehensweise: Sie verplombten alle Schaltkästen und alle Sicherungen, um einen schlechten Scherz einer dort arbeitenden Person auszuschließen. Dann stellen sie einen Schreiber (ein Messgerät) in der Anwaltskanzlei auf, um zu überprüfen, ob der Strom gleichmäßig fließt.

Als die nächsten Ereignisse auftreten, ruft die Kanzlei sofort die Stadtwerke an. Die Techniker eilen zur Kanzlei, um die Messwerte zu überprüfen, und stoßen dabei auf etwas Ungewöhnliches: Einige Sicherungen wurden herausgedreht, obwohl die Verplombung noch in Takt ist. Plötzlich explodieren auch noch Neonröhren in ihren Fassungen und das Messgerät zeigt Ausschläge bis zu 50 Ampere (normale Stromstärke bis etwa 10 Ampere), die nach Auffassung der Elektriker nicht möglich sei. 

Die Stadtwerke entscheiden sich dazu, die Kanzlei vom Stromnetz zu nehmen. Stattdessen läuft diese nun über eine provisorische Leitung mit einem Trafokasten. Alle Leitungen in der Kanzlei  werden akribisch überprüft, doch einen Fehler finden die Experten nicht. Da das Messgerät noch immer unmögliche Ausschläge anzeigt, schalten die Techniker die Polizei ein. 

Die Polizei versucht, das Phänomen noch mit Funkmessungen zu erklären, doch auch diese erbringen keine verwertbaren Ergebnisse. Dann beginnen in Anwesenheit der Techniker und der Polizei die Bilder an den Wänden zu drehen und eine Lampe beginnt so stark zu schwingen, dass sich Putz von der Decke löst. 

Personen mit medialen Fähigkeiten

Paul Brunner, der Leiter der Prüfamtsaußenstelle der Stadtwerke, will sich daraufhin selbst ein Bild von der Kanzlei machen. Als auch in seiner Gegenwart ein Bild sich zu drehen beginnt, schließt er die Akte am 21. Dezember mit einem Bericht: Das Stromversorgungsnetz sei in Ordnung.

Bereits am 1. Dezember schaltet sich der Freiburger Professor Hans Bender ein. Er beschäftigt sich mit Parapsychologie und erforscht insbesondere Telepathie und Psychokinese. Er sieht die Stromschreiber-Ausschläge als Beweis für die Existenz von spontaner Psychokinese. Und auch er hat eine Theorie, woher diese kommen. Seiner Auffassung nach sind insbesondere pubertierende Jugendliche psychokinetisch begabt. 

Tatsächlich gab es auch in der Rosenheimer Kanzlei eine junge Frau, die zwar schon über die Pubertät hinaus war, aber dennoch immer in der Nähe war, wenn ein außergewöhnliches Ereignis stattfand. Annemarie Schaberl hatte nach Auffassung von Bender aufgrund starker innerer Spannung mediale Fähigkeiten entwickelt. Als die Frau für einige Tage beurlaubt wurde, war es plötzlich still in der Kanzlei: kein Flackern, keine drehenden Bilder und keine merkwürdigen Anrufe. 

Alles nur Betrug?

Der Spuk in der Kanzlei wurde immer wieder von verschiedenen Personen aufgegriffen. Einige Personen sind davon überzeugt, dass hier ein massiver Betrug stattgefunden hat. Zum Beispiel wurde in dem Buch „Falsche Geister – Echte Schwindler“ von Allan, Schiff und Kramer, welches 1969 erschien, die These aufgestellt, es hätte bewusste Manipulationen in der Anwaltskanzlei Adam gegeben. Die Autoren fanden nach eigenen Angaben Nylonfäden, die an diversen Gegenständen befestigt waren und zu den geisterhaften Bewegungen geführt hätten. Der Gummiknüppel des Anwalts, welchen er nach eigenen Angaben zur Selbstverteidigung in der Kanzlei hatten, hielten die Autoren hingegen für die Ursache von unheimlichen Klopfgeräuschen. Handfeste Beweise gibt es jedoch auch hier nicht.

Doch was ist mit Annemarie Schaberl? Einige behaupten, auch auf ihrer neuen Arbeitsstelle wäre es zu medialen Ereignissen gekommen. Andere bestreiten dies.

Das Beitragsbild stammt von der Seite Pixabay. 

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