Home of Halloween MMXIX

Wer die Tore des Hamburg Dungeons durchschreitet, betritt normalerweise eine Welt der dunkelsten Geschichtsabschnitte Hamburgs. Doch an Halloween versteckten sich in den dunklen Gemäuern ganz andere, düstere Gestalten mit ihren Geschichten.

Es ist bereits dunkel. “This Is Halloween” beschallt die Wartenden, die draußen vor den Toren stehen. Alle zehn Minuten wird eine neue Gruppe von ca. 18 Leuten hineingelassen. Dankbar für jedes bisschen Wärme lässt man sich nur allzu willig zum Schafott führen, um noch ein allerletztes Foto zu machen. Sobald ein jeder abgelichtet wurde, geht es im Gänsemarsch zu dem netten Herrn mit dem Zylinder, der uns Ahnungslose mit spitzbübischen Grinsen begrüßt. Immerhin weiß er, welch unsägliche Schrecken uns noch erwarten.

Eine schauerliche Reise durch die Dunkelheit

Jetzt hat meine Gruppe noch Zeit, sich einander kurz kennen zu lernen. Das spitzbübische Grinsen verschwindet kurz, als unsereins noch drei Regeln mit auf den Weg gegeben werden. Dann wird eine Dame aus der Gruppe gewählt, die die vermeintliche Ehre hat, sich als Erste segnen zu lassen, bevor sie in die Dunkelheit geschickt wird. In mir regt sich die Neugier, als ich endlich an der Reihe bin, um meinen Segen entgegenzunehmen, bevor ich meiner Gruppe folge; meine Begleitung dicht hinter mir. Nur noch wenige Schritte lang begleitet mich ein fades Licht. Dann geht es in die absolute Finsternis. Vorsichtig ertaste ich mir meinen Weg, der mich immer tiefer in jene Dunkelheit hinabführt. 

Während meine rechte Hand fortwährend an der kühlen Wand entlang gleitet, tastet sich meine linke nach vorn, um möglichen Hindernissen zu entgehen. Und davon gibt es überraschend viele. Keines ein wirkliches Problem, aber die Gruppe verliert sich ein wenig. Dann immer wieder grell aufblitzendes Licht, sodass ich meine Gruppenmitglieder irgendwo vor mir erahnen kann. Auch meine Begleitung ist glücklicherweise noch ganz in meiner Nähe. Plötzlich wieder absolute Finsternis. Die linke Hand wandert nun doch lieber leicht nach hinten, um sicherzugehen, dass meine Begleitung auch wirklich noch da ist. Und tatsächlich greift eine Hand nach meiner. Die letzten Schritte händchenhaltend durch die Dunkelheit. Fast geschafft! Doch erst ein diffuses Licht offenbart, dass dort an meiner Hand weder meine Begleitung noch ein anderes Gruppenmitglied zufasst, sondern vielmehr ein düsteres Geschöpf, welches die Hilfe bietende Hand ergriffen hat und seinen Schabernack mit mir treibt, bevor es sich sein nächstes Opfer sucht.

Glücklicherweise sammelt sich die Gruppe nun wieder, bevor es in ein gleichermaßen nebliges wie verwirrendes Labyrinth geht. Dieses Mal bleiben meine Begleitung und ich etwas dichter beisammen, dafür spaltet sich die Gruppe abermals. Immer wieder lauffen sich umherirrende Grüppchen über den Weg. Tatsächlich ist die Orientierung verloren gegangen. Der Nebel ist inzwischen so dicht, dass schon wenige Schritte reichen, um nicht mehr zu erkennen, ob der Schatten vor mir Freund oder Feind ist. Dann ein Geräusch, welches den Verwirrten die richtige Richtung weist. Nur einer der Gruppe hat gleich den richtigen Weg gewählt und wartet schon. Neben ihm abermals ein düsteres Geschöpf, welches uns nun den Weg zu einem Arzt weist. 

Es folgen einige schaurige und gar eklige Aufgaben für die Gruppe, die es nun gemeinsam zu bestehen gilt. Wer ist mutig genug, sich für die Gruppe zu opfern? Ein Freiwilliger ist tatsächlich immer sehr schnell gefunden. Gut für mich. Doch als nach einer weiteren finsteren Wanderung, die zum Teil auf allen vieren bezwungen werden muss, sich ein dämonisches Wesen in die Gruppe reiht, wird es wirklich spannend. Die junge Dame, die ich erst seit wenigen Minuten kenne, zittert so stark, dass ihre Hand meiner immer wieder entgleitet. Plötzlich sind auch jene verstummt, die noch vor wenigen Minuten zu Späßen aufgelegt waren und nur allzu freiwillig ihren Mut bewiesen haben. 

Um das dämonische Wesen von der Gruppe zu lösen, werden wir zu einem Priester geschickt. Doch dafür muss die Gruppe kurz getrennt werden. Nur noch zu sechst geht es per Boot in völliger Dunkelheit einen Kanal entlang. Kalte Hände greifen nach mir und nun spüre auch ich eine Anspannung, die sich durch meinen ganzen Körper zieht. Nur allzu dankbar nehme ich den sicheren Hafen an und folge der wieder vollständigen Gruppe. 

Doch das ersehnte Treffen mit dem Priester läuft nicht wie erwartet. Die darauffolgenden Finsternis entlockt fast jedem Gruppenmitglied einen Schrei. Doch dann hat es die Gruppe fast geschafft: Nur noch ein tiefer Sturz trennt uns von dem Ausgang …

Hamburg Dungeon

Offensichtlich habe ich meine kleine Halloween-Reise in den Dungeon überlebt. Als kleine Überraschung gab es zum Abschluss ein Gratis-Foto und eine gut zusammengestellte Goodie Bag. Für den Preis von dreißig Euro wurde mir also nicht nur eine fantastische Show geboten, sondern auch eine nette Dreingabe überreicht. Das Preis-Leistungsverhältnis stimmt also definitiv. Doch es gibt noch viel mehr zu loben.

Das Hamburg Dungeon begleitet mich nun seit mehr als zehn Jahren. Jeder Besuch war ein Erlebnis. Einerseits hat der Dungeon immer wieder neue Attraktionen zu bieten. Andererseits wird  jede Führung durch die geübten Schausteller anders. Sie bringen ihren ganz eigenen Stil ein und reagieren mit gekonnten Improvisationen auf die Besucher.

Das macht auch diese Halloween-Show zu etwas ganz besonderem. Erschrecker aus dem Dunklen hat beinahe jedes Horrorhaus zu bieten, aber die Atmosphäre, die das Dungeon-Team da auf die Beine gestellt hat, ist einfach nur fantastisch. Natürlich muss man sich darauf einlassen. So wie bei einem Besuch in einem Theater. Als Besucher muss man einfach wissen, wann der Zeitpunkt gekommen ist, die Klappe zu halten. Nicht nur aus Rücksicht auf die anderen Besucher, sondern auch aus Respekt vor dem Gruselpersonal, das hier wirklich eine Meisterleistung darbietet.

Wer sich auf so eine Reise einlassen kann und nicht nur ein “Buuh” zum Schreien haben will, für den ist das Home of Halloween Event im Hamburg Dungeon genau das Richtige. Im Übrigen gibt es das Event nicht nur an Halloween, sondern auch jeden anderen Freitag im Oktober im Anschluss an die regulären Öffnungszeiten. Wie genau das im nächsten Jahr aussehen wird, wird die Website des Dungeons dann zweifelsohne rechtzeitig verkünden.

Doch auch so lohnt sich ein Besuch des Dungeons. Außerhalb des Halloween-Events eignet sich dieser Besuch auch für Kinder. Außerdem können auch Rollstuhlfahrer*innen den Dungeon besuchen. Damit bietet sich dieser perfekt für ein Familienausflug an. Aber Achtung, ihr könntet nicht nur einen Blick auf die düsteren Geschichtsabschnitte Hamburgs werfen, sondern auch noch etwas lernen.

Hamburg Dungeon
Adresse: Kehrwieder 220457 Hamburg

Titelbild von Karsten Wachtmann auf Pixabay

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.