Nach einer wahren Begebenheit: The Strangers

Produzenten und Regisseure von Horrorfilme lieben es, damit zu werben, dass ihre Machwerke auf einer wahren Begebenheit beruhen. Dabei heißt dies nichts anderes, als dass sie sich von einem vergangenen  Ereignis inspirieren lassen haben, statt sich an die diesbezüglichen Fakten zu halten. Wir wollen uns einige Filme genauer ansehen. Heute: The Strangers (und The Strangers: Opfernacht).

Im Jahr 2008 erschien Bryan Bertinos Horrorfilm The Strangers (mit Liv Tyler und Scott Speedman in den Hauptrollen) und entpuppte sich als wahrer Überraschungserfolg, der weltweit 82 Millionen Dollar einspielte. Zehn Jahre später folgte der zweite Teil der Reihe. In beiden Teilen kommt der altbekannte Hinweise: nach einer wahren Begebenheit. Umso erschreckender, wenn der Regisseur Bryan Bertino offen zugibt, dass es sich hierbei um eine Kindheitserinnerung handelt.

Der Film

Doch worum geht es in den Filmen?

Filminhalt
In The Strangers kommen Kristen und James abends von einer Hochzeit nach Hause. Die Stimmung ist angeknackst, weil Kristen den Heiratsantrag von James abgelehnt hat und die romantische Herrichtung des Hauses hilft nicht, die Situation zu verbessern. Das Paar ist mit sich selbst beschäftigt, als es an der Tür klopft. Draußen steht ein Mädchen im Halbdunkel und fragt, ob Tamara da sei. Von einer Tamara haben beide noch nie gehört, daher schicken sie sie weg. Kurz darauf fährt James los, um noch Zigaretten zu holen und Kristen etwas Zeit für sich zu gönnen. Doch kaum hat James den Hof verlassen, beginnt ein bedrohlicher Psychoterror. Gegenstände verschwinden und tauchen an anderen Stellen wieder auf, der Rauchmelder springt auf unerklärliche Weise an und immer wieder hämmern drei maskierte Fremde an die Tür. Doch auch James Rückkehr verspricht keine Rettung, denn jetzt beginnen die Fremden aktiv ins Haus einzudringen und das Paar zu attackieren. Sie wollen die beiden tot sehen und im Gegensatz zu vielen anderen Filmen in diesem Genre erreichen die drei Maskierten ihr Ziel. Am Ende finden zwei Kinder die Leichen des Paars, nachdem sie noch mit den Mördern über die Bibel gesprochen haben.

Nun kommt die Frage auf, was für ein schreckliches Erlebniss hatte Bryan Bertino als Kind. Eines Tages, so berichtet Bertino, war er mit seiner kleinen Schwester allein zu Hause, als es plötzlich an der Tür klopfte. Es waren Fremde, die sich nach einem anderen Hausbewohner erkundigten, der tatsächlich gar nicht in dem Haus der Familie lebte. Später stellte sich heraus, dass die Hausbesucher Einbrecher waren. Wer jetzt enttäuscht ist und sich vielleicht von dem Regisseur etwas veräppelt fühlt (insbesondere weil der zweite Teil nochmal mit “nach einer wahren Begebenheit” wirbt), der sei beruhigt. Es gibt nämlich noch eine weitere Inspirationsquelle. 

Die Keddie-Morde

Im April 1981 im Keddie-Resort, einem ehemaligen Kurort in Californien, entdeckt die 14-jährige Sheila um acht Uhr morgens ihre Mutter, ihren 15-jährigen Bruder sowie eine Freundin (17 Jahre alt) des Bruders allesamt tot in ihrer kleinen Hütte.

Die Opfer waren mit Klebeband und Drähten gefesselt und wiesen starke Verstümmelungen auf. Alle drei Toten wiesen Verletzungen von Schlägen mit zwei verschiedenen Hämmern auf.

In einem Nebenzimmer des Tatorts werden damals die beiden Brüder von Sheila, Greg und Rick, gefunden, fünf und zehn Jahre alt. Bei ihnen ist auch ein Nachbarjunge, Justin Smartt. Alle drei sind unglaublicherweise unversehrt und sie haben von den schrecklichen Ereignissen nichts mitbekommen.

Nur Sheilas kleine Schwester Tina (12 Jahre alt) war nicht aufzufinden. Erst drei Jahre später sollte die Leiche des Mädchens in der Nähe des Resorts gefunden werden. Der Fall ist bis heute offiziell ungeklärt, es gab nicht einmal eine Festnahme, obwohl es zwei Verdächtige und indirekte Geständnisse gab. Mittlerweile geht man davon aus, dass der Fall von der Polizei vertuscht wurde, weil eine Freundschaft zwischen dem damaligen Sheriff und einem der Verdächtigen bestand. Der mögliche Grund für den bestialischen Mord: die Mutter hatte sich in die Beziehung einer Nachbarin eingemischt und ihr geraten, ihren Mann zu verlassen. Die Jugendlichen waren nur zufällig Opfer geworden.

Fazit

The Strangers und The Strangers: Opfernacht nutzen ihre Inspirationsquellen sehr frei und hätten auf den Hinweis, dass es sich hierbei um teils wahre Begebenheiten handelt, ruhig verzichten können. Dennoch sind es sehr gute Filme und brauchen sich auch als fiktive Werke nicht zu verstecken. 

Titelbild ©Kinowelt

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