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Nach einer wahren Begebenheit: Verónica

Produzenten und Regisseure von Horrorfilmen lieben es, damit zu werben, dass ihre Machwerke auf einer wahren Begebenheit beruhen. Dabei heißt dies nichts anderes, als dass sie sich von einem vergangenen  Ereignis inspirieren lassen haben, statt sich an die diesbezüglichen Fakten zu halten. Wir wollen uns einige Filme genauer ansehen. Heute: Verónica

Estefanía Gutiérrez Lázaro

Der Film Verónica, den ihr zur Zeit auf Netflix finden könnt, ist ein spanischer Horrorfilm aus dem Jahr 2017 unter der Regie von Paco Plaza. Inspiration für den Film war der Fall Estefanía Gutiérrez Lázaro:

Estefanía Gutiérrez Lázaro hielt zusammen mit zwei Freundinnen im Jahr 1991 ein Ouija-Seánce ab, um Kontakt mit einem kürzlich verstorbenen Freund eines der Mädchen, aufzunehmen. Ein großer Unterschied zum Film Verónica findet sich bereits in dieser Situation. Im Gegensatz zu Verónicas filmischem Vater lebt Estefanías Vater zu diesem Zeitpunkt noch und war nicht der Grund für die Teilnahme an der Ouija-Seánce. 

Die Seánce der Mädchengruppe um Estefanía wurde von einem Lehrer unterbrochen. Spätere Presseberichte behaupten, dass Anwesende gesehen haben wollen, wie das Glas in der Oujia-Planchette zersprang und von da aus dunkler, wirbelnder Rauch in Estefanías Mund und Nase eindrang. 

Kurze Zeit später litt Estefanía das erste Mal an Krampfanfällen und begann sich aggressiv zu verhalten. In der Folge griff sie ihren kleinen Bruder immer wieder an und knurrte ihn wie ein Tier an. Ihren Eltern erzählte sie außerdem, dass des Nachts schattenartige Gestalten vor ihrer Tür auf- und abgingen. 

Im August 1991 – also sechs Monate nach jener Seánce – waren Estefanías Anfälle so schlimm, dass sie in ein Krankenhaus eingeliefert werden musste, wo sie kurze Zeit später verstarb. Ärzte konnten weder eine Erklärung für ihre Anfälle noch für ihren plötzlichen Tod finden. Einigen Berichten zufolge soll Estefanía nicht im Krankenhaus gestorben sein, sondern Tod im Schlaf- oder Badezimmer gefunden worden sein.

Paranormale Phänomene in einem Polizeibericht

Am 21. November 1992 rufen die Eltern von Estefanía in den frühen Morgenstunden die Polizei an. Sie berichten, dass Türen sich immer wieder von alleine schlossen und ein Foto von Estefanía plötzlich in Flammen aufging. Die Mutter berichtete, dass sie, als sie im Bett lag, ein Gewicht auf ihrer Brust gespürt habe und jemand zugleich nach ihren Armen und Beinen griff. 

José Pedro Negri, Polizeibeamter, schrieb in seinem Bericht, dass er die Erzählungen der Eltern nicht glaubte, sie aber dennoch mit einigen Beamten in ihre Wohnung begleitete. Die Wohnung war verwüstet, aber das überzeugte die Polizisten nicht. Estefanías Eltern berichteten, dass die Vorfälle sich ereignen, wenn es dunkel ist. Negri schaltete daraufhin das Licht aus. Plötzlich knallte eine Kommodentür immer wieder zu und einige Beamte verließen das Haus. Als Negri eines der Schlafzimmer überprüfte, hörte er einen Schrei, der von einem Balkon kam. Er ging nach draußen, fand jedoch nichts. Als er in das Schlafzimmer zurückkehrte, hingen dort alle Kreuze über Kopf und ein Poster wies drei große Kratzer, wie von Klauen zerrissen, auf. Nach dieser Nacht beschloss die Familie, die Wohnung für immer aufzugeben. Der Fall, bekannt als Vallecas-Fall, ist einer der wenigen, in dessen Polizeibericht tatsächlich paranormale Phänomene beschrieben werden.

Der Film Verónica (Spoiler)

Spoiler-Titel

Wie Estefanía hält Verónica im Jahr 1991 eine Seánce mit anderen Mädchen ab. Im Gegensatz zu Estefanía möchte Verónica mit ihrem verstorbenen Vater in Kontakt treten. Zwar wird auch ein verstorbener Freund erwähnt, dieser gehört jedoch zu einem Mädchen, welches Verónica kaum kennt. Die ganze Seánce wird durch eine Sonnenfinsternis und eine blinde Nonne mit bösen Vorahnungen mystischer gestaltet. Erwischt werden die Mädchen jedoch nicht. Erst als Verónica zusammenbricht, holt eines der Mädchen einen Lehrer hinzu. Auch bei Verónica zerbricht das Glas, welches sie für die Seánce nutzen. Der Bruch des Glases erhält jedoch einen übernatürlichen Charakter.

Direkt nach ihrem Zusammenbruch beginnt Verónica paranormale Vorkommnisse zu erleben. Anfälle, Kratzspuren und Geräusche verfolgen sie. Ihre Mutter bekommt davon nichts mit, weil diese während des Films beinahe durchgehend mit ihrer Arbeit beschäftigt ist. Innerhalb von nur wenigen Tagen und nicht von sechs Monaten kommt Verónica an ihre Grenzen und hält zusammen mit ihren Geschwistern eine weitere Seánce ab, um den Geist aufzufordern, das Haus zu verlassen. Dieser weigert sich und die Situation eskaliert. Verónica ruft selbst die Polizei und versucht ihre Geschwister in Sicherheit zu bringen. Dabei erkennt sie, dass der Dämon in ihr ist und will sich selbst die Kehle durchtrennen.

Als die Polizei eintrifft, werden sie Zeuge von einer unsichtbaren Macht, die Verónica einerseits daran hindert, sich selbst zu töten, andererseits ihr aber auch schadet. Als Verónica zusammenbricht, verschwindet diese Macht. Ein Kriminalbeamter sieht sich danach in der Wohnung um. Er entdeckt umgedrehte Kreuze und Kratzspuren wie in Estefanías Fall. Als Verónica letztendlich stirbt, sieht der Beamte wie ein gerahmtes Foto von ihr plötzlich Feuer fängt. Im Fall von Estefanía hatte ihre Mutter von einem plötzlich brennenden Foto berichtet.

Fazit

Trotz loser Interpretation finden sich einige Überschneidungen zum Film. Zum Beispiel das verbrannte Foto, welches nur von anderen Personen gesehen wird. Problematisch an den Berichten zum Fall von Estefanía Gutiérrez Lázaro ist jedoch, dass viele erst 2018, also nach dem Film, erschienen sind. Nicht nur die Berichte, sondern auch die Quellen- bzw. Faktenlage  (z. B. Todesort) sind widersprüchlich.

Das Titelbild ist ein Ausschnitt des DVD-Covers. Alle Bildrechte liegen bei © Apaches Entertainment.

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