Warum der Teufel in Sabrina sein Potential verschenkt hat

Trotz düsterem Touch bleibt die neue Sabrina-Serie eine Teenager-Serie mit Teenager-Problemen. Das ist auch okay, aber leider hat die Serie das Potential von einigen Figuren mehr als nur verschenkt. Achtung hier folgen Spoiler zu den Staffeln 1 und 2. Ein Kommentar.

Salem

Nein, es stört nicht, dass Salem nicht reden kann. Beziehungsweise, dass der Zuschauer nicht weiß, was der schwarze Kater sagt. Doch ich frage mich, welche Rolle hatte Sabrinas tierischer Begleiter eigentlich. Nach zwei starken Auftritten im ersten Teil tritt er zunehmend in den Hintergrund und kommt im zweiten Teil nur am Rande vor. Gerne hätte ich Salems Potential als wilder Begleiter in einer freien Partnerschaft erlebt. Die Vor- oder Nachteile wurden leider nie wirklich gezeigt. 

Der Teufel

Ich mochte die Darstellung des Teufels im ersten Teil. Trotz einiger billig wirkenden Effekte mundete es mir sehr gut, dass der gefallene Engel als Bestie auftritt. 

Auch gefiel mir die Idee, dass er in der zweiten Staffel Sabrina mit dem Diebstahl eines kleinen Kaugummis zum Bösen verführen wollte. Ja, als Strippenzieher im Hintergrund war er wirklich ganz passabel.

Doch dann musste es ja kommen: die große Auflösung, warum er die ganze Zeit so auf Sabrina fixiert war. 

  1. Sie ist der Herold der Hölle und soll die Apokalypse herbeiführen. Okay, damit kann ich durchaus leben, auch wenn ich persönlich nicht viel von Auserwählten-Storys halte.
  2. Sie ist seine Tochter. Ja, in dem Moment, in dem das herauskam, war ich mehr als enttäuscht und die Serie wurde eigentlich nur noch aus Anstand beendet. Sabrina ist genau genommen keine Halbhexe mehr – aber davon abgesehen: Warum muss es immer so ein Verwandtenkram sein, der eine Figur etwas Besonderes verleihen soll? Tatsächlich habe ich mich am Anfang gefragt, warum Satan so viel daran gesetzt hat, Sabrinas Macht immer weiter zu stärken. In meiner Naivität habe ich tatsächlich geglaubt, die Serienmacher waren so innovativ und haben Sabrina aufgrund ihrer Rebellen-Rolle für den Teufel interessant gemacht. Immerhin schien die Hexenwelt schon solange in ihrer durchaus patriarchaisch dominierten Tradition gefangen zu sein und durch Faustus auch noch Rückschritte zu erleiden, dass ich es durchaus für denkbar hielt, dass Satan, selbst ein Rebell, sehen wollte wie sich Sabrina schlägt, aufgrund dessen vielleicht sogar mit ihr sympathisiert und den Schritt der Kirche der Nacht in die Zukunft teilweise begrüßen würde.

Der Teufel kann eine komplexe Figur sein, dessen Motivation nicht auf die eigene Machterweiterung liegen muss. Ja, selbst die Erklärung, dass er Sabrinas Seele aufgrund ihrer Seltenheit als Halbhexe in seinem Besitz wissen wollte, wäre mir persönlich lieber gewesen als die schnöde Verwandtschafts-Ausrede. Selbiges gilt im Übrigen auch für Sabrinas Kräfte. 

Des Weiteren war der Teufel in den letzten Folgen einfach nur grauenhaft schlecht. Natürlich musste er nochmal als “gutaussehender” Mann halbnackt durch die Gegend laufen. Dazu diese albernen Satin-Hemden in Rot und Gold. Seine Bedrohlichkeit büßte er so schon mal optisch extrem ein und an seinem Intellekt musste ich, sobald er in seiner Engelsgestalt war, leider auch zweifeln. Faustus durchschaut einen Illusionszauber, aber Satan fällt auf eine Musical-Masquerade rein? Er lässt sich von Lilith bezüglich der Dämonen in wenigen Sekunden hinters Licht führen? Und er glaubt ernsthaft, dass Sabrina nach ihrer Rebellion ganz plötzlich Daddy zu ihm sagt?

Die Beziehung zwischen Lilith und Satan

Auch die Beziehung zwischen Lilith und Satan hätte deutlich mehr zu bieten gehabt, als Ergebenheit → Misstrauen → Rache. Satans Trick gegenüber Lilith hat deutlich gezeigt, dass er sie nicht teilen will. Auch wenn das nichts mit Liebe zu tun hat, hätte ich mir zwischen den beiden einen anderen vertrauten Ton gewünscht. Etwas, was gezeigt hätte, was Lilith so sehr an ihm geliebt hat, warum sie ihm auf den Leim gegangen ist, obwohl er offensichtlich nur ein weiteres männliches Arschloch ist. So hätte Satan Lilith ruhig ein Stück vom Kuchen abgeben können. Immerhin ist Sabrina seine Tochter und sollte den Thron neben ihm nicht als seine Frau einnehmen. Daher hätte er ruhig Lilith auch Thron und Krone in die Hand drücken können. Insbesondere da sie ihm an einem Punkt so hörig war, dass er ihr nicht mal Macht damit hätte zusprechen müssen. 

Fazit

Fans und Seriengucker sind nicht immer zufrieden mit der Charakterentwicklung (siehe Game of Thrones) und ja sicherlich haben sich die Serienmacher etwas dabei gedacht und viel Arbeit reingesteckt, aber liebe Macher von Sabrina, ihr habt hier insbesondere mit Satan eine komplexe, interessante Figur und Gegenspieler verschenkt. Salem rockt hoffentlich noch Staffel 3 und 4 etwas mehr. 

Titelbild von freestocks.org von Pexels

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