Europäische Geistergeschichten: Das Geisterhotel

Wer das Wort Geistergeschichten hört, denkt meist an Amerika. Kein Wunder. Viele Filme werben mit „Nach einer wahren Begebenheit“. Doch auch Europa hat so manche düstere Legende. Wir begeben uns heute in den Schwarzwald.

Eine ruhmreiche Geschichte

Das Hotel Waldlust in Freudenstadt, einer Kreisstadt in Baden-Württemberg, wurde 1902 für den Hotelier Ernst Luz erbaut. Es hatte 140 Zimmer, 60 Privatbäder und ab den 1920er sogar einen stuckverzierten Festsaal. Fürsten, Sultane, Könige und alles, was der Hochadel sonst noch so zu bieten hatte, gingen seit der Eröffnung des Hotels ein und aus. In den 1930er Jahren waren auch Filmstars wie Douglas Fairbanks häufig gesehene Gäste in dem Nobelhotel.

In den 1940er Jahren erlebte das Hotel unter der Führung von Adele B. eine Blütezeit. Sie lockte mit Tanzveranstaltungen und riesigen Kongressen vermögende Gäste in das Hotel. Adele B. war bei den Angestellten und den Gästen sehr beliebt, doch 1949 sollte ihr gewaltsamer Tod alles ändern. 

Nach Adeles Tod und mit dem zweiten Weltkrieg wurde das Hotel Waldlust zu einem Lazarett umfunktioniert und so fanden nach Adeles Tod viele weitere Menschen ihr tragisches Ende in dem einst prunkvollen Hotel. 

Der Verfall des Hotels

Während der 1960er wurde versucht, das Hotel wieder zu seinem alten Weltruhm zu führen, doch das Personal berichtete immer wieder von unerklärlichen Phänomenen: Der Aufzug soll sich beispielsweise wie von Geisterhand in Bewegung gesetzt haben. Das Telefon des Zimmerservices soll geklingelt haben, obwohl das Zimmer, aus dem angerufen wurde, zu jener Zeit unbesetzt war. Ölgemälde sollen immer wieder ihre Gesichtsausdrücke verändern haben. Und sobald eine Glühbirne am Kronleuchter bei der Rezeption zersprang, wussten die Hotelinhaber, das irgendein Unheil drohte. Schon bald tuschelten nicht nur die Angestellten, dass das Hotel verflucht sei und die unerlösten Seelen ihr Unwesen in dem Gebäude trieben. 

Nach vielen Besitzerinnen, die versuchten, das Hotel wieder zu neuem Leben zu erwecken, ist die Immobilie seit 2005 ungenutzt und steht noch immer zum Verkauf. Der Verein für Kulturdenkmale Freudenstadt e. V. hat sich den Erhalt dieses Kulturdenkmals und seines Parks zur Aufgabe gemacht. Er sichert Bau und Park und bietet Führungen, Veranstaltungen und Übernachtungen im verfallenen Hotel an. Auch als Kulisse für Filmproduzenten (z. B. für den Film “Bela Kiss”) steht das alte Gemäuer immer wieder zur Verfügung. 

Noch im Jahr 2005 bemühten sich Wissenschaftler des “Instituts für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene” in Freiburg darum, den Spuk-Geschichten auf den Grund zu gehen. Während der Untersuchungsleiter Dr. Gerhard Mayer viele Berichte von ehemaligen Gästen und Angestellten einfach mit einer beschädigten Hauselektrik in Verbindung bringt, gibt es aber auch Beschwerden ehemaliger Gäste, die nicht so einfach erklärt werden können. So berichtete eine Frau, dass, als sie gebadet hatte, jemand sie von hinten packte. Sie dachte erst, es wäre ihr Freund gewesen, doch als sie sich umdrehte, war niemand da. Ihr Freund lag bereits im Bett. Noch am selben Abend reiste das Paar wieder ab. Fazit der Forscher: Das Hotel bietet optimale Bedingungen für derartige Sinnestäuschungen, da es sehr unübersichtlich gebaut und schlecht beleuchtet ist. Zudem bilde man sich durch die bereits bekannten Geschichten zu schnell ein weniger seriöses Urteil. 

2011 ging nochmal ein paranormales Forscherteam mit anderen Methoden auf die Suche. Dabei konnten sie jedoch weder Temperaturschwankungen noch elektromagnetische Abweichungen feststellen. Auch sonst zeigte sich nichts, was einem Geistertreiben irgendwie ähnlich wäre.

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