Onkel Montagues Schauergeschichten (Rezension)

Der britische Autor Chris Priestley präsentiert uns mit Onkel Montagues Schauergeschichten (engl. Uncle Montague‘s Tales of Terror) einen vollmundigen Titel, der zweifelsohne Gänsehaut verspricht. Doch handelt es sich dabei wirklich um Gruselgeschichten, die uns einen kalten Schauer den Rücken hinunterlaufen lassen? Fragen wir doch einfach Onkel Montague …

Zu Besuch

In den Schulferien kommt Edgar vom Internat zurück nach Hause. Da seine Eltern mit ihm tatsächlich nur wenig anfangen können, beschließt er, seinen doch schon sichtlich in die Jahre gekommenen Onkel Montague zu besuchen. Dieser wohnt abseits des Dorfes in einem verlebten Herrenhaus, dessen bessere Tage ebenfalls schon weit zurückliegen.

Nichtsdestotrotz lässt sich Edgar davon nicht beirren, hofft er doch, bei Tee und Kuchen die vermeintliche Einsamkeit seines Onkels zumindest für den Moment zu vertreiben. Zudem sind Onkel Montagues Schauergeschichten wahrlich zum Gruseln, auch wenn Edgar das nie zugeben würde.

So finden sich beide in Montagues Kaminzimmer wieder, das mit allerlei merkwürdigen Andenken dekoriert ist. Und zu jedem kennt sein Onkel eine Schauergeschichte. Und jede seiner Schauergeschichten handelt von der Tragik eines Mädchens oder Jungens in Edgars Alter …

Edgar, Onkel Montague und all die anderen Rätsel

Edgar ist ein eher zurückhaltender und augenscheinlich auch recht genügsamer Knabe aus gutem Hause, der für gewöhnlich tut, was man ihm sagt. Doch immer dann, wenn Onkel Montague von einer neuen Schauergeschichte kündet, entfacht das in ihm einen Funken Neugier, den er nur schwerlich zu bändigen vermag. Er ist ein offenes Buch für jedermann.

Onkel Montague hüllt sich hingegen in einen Mantel der Geheimniskrämerei. Vieles an ihm gibt Edgar Rätsel auf, die er aber letztlich seiner Exzentrik zuschreibt: So heißt es beispielsweise aus seiner Familie, dass Montague zwar schwerreich sei, jedoch haust er offenkundig in einem abgewirtschafteten Anwesen. Ihm selbst, so sagt Montague zumindest, helfe sein Diener Franz im Haushalt, doch zu sehen bekommt ihn Edgar nicht wirklich. Und bei jedem Besuch wird Edgar aufs Neue von seinem Onkel fast schon wissentlich gefragt, ob ihm auf dem Weg durch den Wald jemand begegnet sei, obgleich Edgar stets beteuert, dass ihn die Dorfkinder in Ruhe lassen. Und warum ist es in dem Haus selbst im Sommer stets so bitterlich kalt?

Zu guter Letzt sind da noch die Schauergeschichten aus aller Welt, von denen Onkel Montague in ungeahnter Detailfülle zu berichten weiß. Fast scheint es, als hätte er sie allesamt selbst erlebt. Das mag zweifelsohne absurd sein, doch irgendwas passt da dennoch nicht so recht zusammen. Da ist es kaum verwunderlich, dass man sich als Leser zuweilen selbst dabei ertappt, zwischen den einzelnen Geschichten nach weiteren Hinweisen Ausschau zu halten, um zu erahnen, was Onkel Montague so achtsam zu verbergen versucht.

Onkel Montagues Schauergeschichten

Auch wenn die skurrile Beziehung zwischen Edgar und Onkel Montague eine besondere sein mag, so bilden die titelgebenden Schauergeschichten doch den Kern von Presleys Roman. Insgesamt erzählt Onkel Montague zehn Geschichten, in denen ihre meist noch jungen Protagonist*innen in tragischer Verstrickung mit dem Übernatürlichen in Berührung kommen. Dabei handelt es sich mehrheitlich um Kinder, die entweder einem Laster frönen oder sich in Ungehorsam üben.

Das stilistisch Interessante daran ist, dass eine jede dieser kurzen Schauergeschichten auch völlig losgelöst von der eigentlichen Rahmenhandlung funktioniert. So könnten sie also auch einzeln als bitterböse Gute-Nacht-Geschichten vorgetragen werden. Sowohl inhaltlich als auch sprachlich sind sie relativ einfach gehalten, sodass ihnen auch ein jüngeres Publikum folgen kann. Ein Schelm, wer da Böses denkt. 😉

Fazit

Onkel Montagues Schauergeschichten, abgefasst von Chris Priestley, halten, was sie versprechen: zahlreiche Kurzgeschichten mit Gruselfaktor, die geschickt in die Rahmenhandlung eingebettet sind. Zwar variiert der ihnen innewohnende Grad an Schaurigkeit von Geschichte zu Geschichte leicht, doch entließen sich mich allesamt mit einem kribbelnden Gefühl der wohligen Gänsehaut. Mehr hätte ich mir von einem Werk wie diesem nicht wünschen können.

Insgesamt eignen sich Onkel Montagues Schauergeschichten vor allem für seichte Gemüter (und junge Lesende), die dem blankem Horror vielleicht nur wenig abgewinnen können oder gern in kreativ verarbeiteter Gruselliteratur schmökern. Das empholene lesealter beträgt 12 Jahre.

Übrigens wurde(n) Onkel Montagues Schauergeschichten (zurecht) für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2011 in der Kategorie „Kinderbuch“ nominiert.

Buchtitel: Onkel Montagues Schauergeschichten
Autor: Chris Priestley
Übersetzerin: Beatrice Howeg
Verlag: Oetinger Taschenbuch
Buchseiten: 224 Seiten
ISBN: 978-3841502834

Auf dem Titelbild ist ein Ausschnitt des Buchcovers zu sehen. Für letzteres liegen alle Bildrechte beim Oetinger Taschenbuch.

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