Nobody Sleeps in the Woods Tonight (Rezension)

Im polnischen Netflix-Film Nobody Sleeps in the Woods Tonight muss eine Gruppe von Jugendlichen während einer Wandertour durch den Wald um ihr Überleben kämpfen. Lohnt sich der polnische Horrorfilm oder ist er nur eine 0815-Produktion?

Handy, Tablet, Computer oder einfach das Internet im Allgemeinen. Viele verbringen viel zu Zeit vor einem Bildschirm. Insbesondere für Jugendliche kann dies aus vielerlei Gründen nachteilig oder gar schädlich sein. In Polen  gibt es mitten in einem ausgedehnten Waldstück ein Camp, das sich genau diesem Problem annimmt. Hier müssen Jugendliche ihre ganzen technischen Spielzeuge abgeben und gemeinsam eine Wandertour durchstehen. Die Teams werden dabei frei ausgelost und der Beginn der Wandertour macht den Jugendlichen sogar noch Spaß. Sie lernen sich ein wenig besser kennen und präsentieren ihre Stärken und Schwächen. Doch als einer der Protagonisten über einen übel zugerichteten Hirschkadaver stolpert, macht sich die erste Unsicherheit breit. Als am nächsten Tag dann auch noch einer der Jugendlichen verschwunden ist und eine mögliche Blutspur auftaucht, bricht Panik aus. 

Eine kleine Zeitreise

Nobody Sleeps in the Woods Tonight nimmt den Jugendlichen ihre modernen Kommunikationsmittel und versetzt sie damit in die Isolation, die einem Horrorfilm die Möglichkeit bietet, unter den jungen Menschen Unsicherheit zu schüren und sie mit dem Bösen allein zu lassen. 

Auch die genretypischen Charaktere sind in dem Film alle brav in einer Gruppe vertreten, glänzen aber durch unverbrauchte Schauspieler und einem dezenten Touch von individuellen Persönlichkeiten. Keine der Figuren ist überzeichnet oder handelt absichtlich dumm. Dennoch kommt es durch die Panik zu unüberlegten Handlungen, die den Gegenspielern zwangsläufig in die Hände spielen.

Apropos Gegenspieler. Auch hier setzt der Film auf etwas Traditionelles – und zwar auf deformierte beziehungsweise mutierte und robuste Menschen, die den Jugendlichen zumindest in Körperkraft gnadenlos überlegen sind. Optisch hat man sich hier viel Mühe gegeben und sogar an eine Hintergrundgeschichte gedacht, die zwar vielleicht etwas zu fantasievoll ausfällt, aber zumindest bemüht ist, eine Erklärung zu liefern. 

Etwas zu laut, aber schön gemacht

Negativ anlasten kann man dem Film jedoch seine musikalische Untermalung. Diese ist stellenweise nicht nur unpassend, sondern für mein Empfinden auch unnötig laut und aufdringlich. Dadurch geht ein Stück weit Atmosphäre flöten, verleiht dem Ganzen aber immerhin einen Wiedererkennungswert. Wenn auch nicht unbedingt in positivem Sinne.

Dafür sind die Tötungsszenen durchaus gelungen. Der Film wechselt zwischen “zeigen wir” und “zeigen wir nicht”, bietet aber beim Gezeigten authentische Effekte und gelungene Masken. Übrigens soll das nicht bedeuten, dass der Film auf besonders eklige oder anderweitig Szenen verzichtet. Ob man etwas aus gewohnheitsbedingten oder moralischen Gründen zeigen sollte oder eben nicht, schien bei der wechselnden Darstellung tatsächlich kein hinreichender Entscheidungsgrund zu sein. 

Fazit

Nobody Sleeps in the Woods Tonight bietet nichts Neues, sondern bedient sich an bekannten Slasher-Klischees. Das macht der Film aber sehr solide und kann somit für einen Abend definitiv überzeugen. Wer Lust auf etwas Traditionelles im Stil von Wrong Turn oder Texas Chainsaw Massacre hat, kann sich den Netflix-Film definitiv gönnen. 

Filmtitel: Nobody Sleeps in the Woods Tonight
Regisseure: Bartosz M. Kowalski
Erscheinungsjahr: 2020
FSK: Freigegeben ab 18 Jahren
Spieldauer: 102 Minuten 

Titelbild: ©Netflix

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