Rotkäppchens Traum (Rezension)

Ein Mädchen liegt im Wald von Laub bedeckt. Blut und Knochensplitter hängen in ihrem Haar. Max Bentow nimmt das Märchen von Rotkäppchen und legt das Gewand eines Thrillers um die Geschichte. Ob es funktioniert hat?

Inhalt

Annie Friedmann ist hübsch, kreativ und voller Lebensfreude. Männer lieben sie und Frauen beneiden sie. Um so größer ist ihr Schock, als sie blutbesudelt, nur mit ihrem roten Regenmantel bekleidet, schwer unterkühlt, mit Knochensplittern im Haar und vor allem – ohne Erinnerungen an die letzten zwei Wochen – in einem Wald erwacht. Anstatt zur Polizei zu gehen, entscheidet sie sich jedoch, schnellstmöglich nach Hause nach Berlin zu fahren und lieber alles schnell hinter sich zu lassen, bevor Geheimnisse zu Tage gefördert werden, die lieber niemand kennen sollte. Nur aus der Not heraus, dass sie weder Geld noch ihren Haustürschlüssel bei sich trägt, wendet sie sich an ihren (Ex-)Freund Ben. Dieser war bereits mit den Nerven völlig am Ende, da er sich für so dumm hielt, die perfekte und hübsche  Annie nach einem Streit gehen zu lassen, weil sie ihn bezüglich ihres Jobs als Lehrerin belogen hat. Und als Ben erfährt, dass Annie nicht mehr weiß, was passiert ist und des nachts auch noch schreiend erwacht, steht für den besorgten Mann fest, dass er mit Annie zurück in diesen Wald muss, um herauszufinden, was passiert ist. Eine Entscheidung, die er schon bald bereuen wird, denn wo Rotkäppchen ist, lauert auch der böse Wolf.

Stil

Die ersten Seiten von Rotkäppchens Traum sind unheimlich spannend und waren auch der Hauptgrund des Kaufs. Leider kippt die Spannung immer mehr und schon bald steckt man als Leser in einem Gewirr aus unnötigen Beschreibungen, unrealistischen Gefühlen und Handlungen sowie manchen Grammatikfehlern fest. Während Bens treudoofe Motivation, die immer wieder in Eifersucht überschwappt, irgendwie noch akzeptabel ist, nimmt Annie bereits sehr schnell sehr anstrengende Züge an. Falsche Aufgedrehtheit, gepaart mit dem festen Willen, lieber alles zu verdrängen, nur um dann doch kopfüber direkt in den Schlund des Wolfes zu springen, machen aus ihr eine unerträgliche Figur, die eigentlich nur handelt, um zu handeln. Lediglich der Wolf, der einige Kapitel aus seiner Sicht erzählen darf, handelt trotz seines offensichtlichen fraglichen Geisteszustands nachvollziehbar und schaffte es, in mir so etwas wie Interesse und auch Mitgefühl für die Figur zu wecken.

Leider ergeht sich das Buch auch immer wieder in teils unnötigen Beschreibung, die den Eindruck erwecken, dass das Recherchierte unbedingt irgendwie in das Buch rein muss. Das wiederum zieht die Geschichte unnötig in die Länge und macht den mittleren Teil wirklich zu einem Kampf gegen die Langeweile. 

Erst zum Ende hin steigt dann wieder die Spannung und der Erzählstil wird hier auch deutlich zügiger. Über das Finale lässt sich sicherlich streiten, aber persönlich fand ich es dann doch höchst unbefriedigend. 

Fazit

Rotkäppchens Traum von Max Bentow war für mich eine herbe Enttäuschung. Klappentext und die ersten fünf Seiten waren so vielversprechend, dass ich überrascht war, dass sich das Buch schließlich in absurden Charakteren und belanglosen Handlungen verläuft. Ein deutlich knapperer Umfang hätte dem Buch nicht geschadet. Wer nach einem spannenden Thriller sucht, sollte daher definitiv zu einem anderen Buch greifen.  

Buchtitel: Rotkäppchens Traum
Autor: Max Bentow
Verlag:  Goldmann
Buchseiten: 368 Seiten
ISBN: 978-3442205431

Das Titelbild ist ein Ausschnitt vom Buchcover. Alle Bildrechte liegen beim  Verlag.

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