Europäische Geistergeschichten: Der Ukleisee

Wer das Wort Geistergeschichten hört, denkt meist an Amerika. Kein Wunder. Viele Filme werben mit “Nach einer wahren Begebenheit”. Doch auch Europa hat so manche düstere Legende. Heute begeben wir uns an einen kleinen See in Deutschland zu einer tragischen Liebesgeschichte.

Ein romantischer Waldweg führt zu einem idyllischen, gerade einmal 0,32 km² kleinen See. Der sogenannte Ukleisee liegt in der Nähe der Kreishauptstadt Eutin in Ostholstein. Der dichte Buchenwald reicht so nahe an seine Ufer heran, dass es ein eher düsteres Plätzchen ist. 

Auf der naheliegenden Anhöhe steht ein Jagdschlösschen. Vor seiner Errichtung soll dort sogar eine prächtige Burg ihren Platz gefunden haben. Bewohnt wurde die Burg von einem Ritter. Dieser begegnete eines Tages während der Jagd einem ärmlichen, aber hübschen Bauernmädchen. Er umwarb das junge Ding und führte sie alsbald in eine Kapelle, um ihr seine Liebe zu schwören. Er versprach ihr, sie zu ehelichen: “Hier vor Gottes Augen nehme ich Dich als meine Gemahlin und der Himmel soll mich vernichten, wenn ich meine Treue nicht halte.”

Das junge Ding glaubte den charmanten Worten des Ritters und wurde seine Geliebte. So trafen sie sich immer wieder für zweisame Stunden. Doch kam das Mädchen auf seinen Schwur zu sprechen, wich er geschickt aus. Bald schon war er gelangweilt von dem jungen Ding und kam nicht mehr zu den Treffen. Als das Mädchen hörte, dass der Ritter sich mit einer reichen Gräfin verlobt hatte, starb sie an ihrem gebrochenen Herzen.

Der Ritter störte sich daran nicht, wollte er doch die Gräfin in derselben Kapelle heiraten, in der er einst jenem Mädchen seine Treue schwor. Am Tag der Hochzeit, als der Pastor gerade dem Ritter sein Ehegelöbnis entlocken wollte, erschien der Geist des betrogenen Bauernmädchens. Vorwurfsvoll zeigte sie schweigend auf den Ritter, sodass er vor Schreck die Besinnung verlor. In dem Moment, in dem der Ritter zu Boden fiel, brach ein heftiges Unwetter über die Hochzeitsgesellschaft herein: Mit einem lauten Krachen wurde die Kapelle von einem Blitzschlag getroffen. In nur wenigen Augenblicken hatte der Regen eine Sintflut erzeugt, die die Hochzeitsgesellschaft samt Kapelle für immer verschlang. Als das Unwetter vorbei war, lag an der Stelle der Kapelle der See, der heute den Namen Ukleisee trägt.

Spazierende, die am Abend den See umwandern, sollen aus den Tiefen des Wassers die Glocken der Kapelle hören können. Scheint in diesem Moment der Mond aufs Wasser, soll mit etwas Glück sogar der Geist des Bauernmädchens zu sehen sein. 

Das Beitragsbild stammt von der Seite Pixabay und wurde von Mysticsartdesign erstellt.

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