Europäische Geistergeschichten: Die Mühle von Willington

Wer das Wort Geistergeschichten hört, denkt meist an Amerika. Kein Wunder. Viele Filme werben mit “Nach einer wahren Begebenheit”. Doch auch Europa hat so manche düstere Legende. Heute begeben wir uns nach England zu einer Mühle.

Joseph Procter, ein angesehener Quäker, war 1835 der Eigentümer einer Mühle in Willington, die sich später als beliebter Spukort herausstellen sollte. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts war Willington in Northumberland noch ein eigenständiges kleines Städtchen. Heute gehört die Stadt jedoch zum Metropolitan County Tyne and Wear.

Joseph Procter lebte mit seiner Familie in der Mühle. Zu Beginn der Ereignisse hatte er einen Sohn, der den gleichen Namen wie er selbst trug. Im Laufe der Jahre schenkte ihm seine Frau aber drei weitere Kinder: Jane, Henry und Edmund.

Als Jospehs erste Sohn ungefähr zwei Jahre alt war, berichtete das Kindermädchen von geisterhaften Schritten im Raum über dem Kinderzimmer. Sie gestand, dass es nicht das erste Mal war, dass sie diese seltsamen Schritte hörte. Mrs. Procter tat dies als Hirngespinst ab, war der Raum über dem Kinderzimmer doch stets verschlossen und verbarrikadiert. Kein Mensch lebte in der besagter Stube über dem Kinderzimmer. 

In Josephs Procters Tagebuch hingegen findet sich zu diesem Ereignis folgender Eintrag: “Sehr bald schon sollte die ganze Familie Zeuge dessen werden, was das Kindermädchen beschrieben hatte. Fast täglich und mehrmals am Tage hörte immer wieder einer der Bewohner diese seltsamen Schritte.”

Irgendwann wurden die Schritte, welche die Familie beunruhigt Tag für Tag wahrnahm, so laut und schwer, dass die Scheiben des Kinderzimmer zersplitterten. Danach hörte die Familie nicht nur die Schritte, sondern auch ein unheimliches Pfeifen, welches sich zuweilen mit Schleifgeräuschen von sich verschiebenden, schweren Möbeln mischte.

Ungefähr zur selben Zeit sahen die Nachbarn, ein Ehepaar, im zweiten Stock des Hauses der Procter eine weibliche, leuchtend weiße und beinah transparente Gestalt umherwandeln. Sie beobachteten, wie die Gestalt langsam von oben nach unten verschwand.

Nur kurze Zeit später steigerte sich der Spuk im Hause der Procters: Des Nachts wurden sogar die Betten angehoben und der kleine Joseph berichtete bibbernd von einem Mann, der unter seinem Bett läge und selbiges nach oben drückte. 

Als das zweite Kind der Procters, Jane, ungefähr vier Jahre alt war und eine Nacht im Bett der Tante schlief, erzählte sie ihren Eltern, sie habe am Fuß des Bettes den Kopf einer alten Frau gesehen, an deren Schläfe etwas entlang lief. Der kleine Joseph begann zur selben Zeit Stimmen zu hören, die ihm solch eine Angst machten, dass er sein Zimmer nicht mehr betreten konnte. Immer wieder sollen diese ihm gesagt haben: “Hol es dir!”

Am 3. Juli 1840 besuchten Dr. Edward Dury und sein Freund Thomas Hudson die Mühle, um sich ein eigenes Bild von den Geschehnissen zu machen. Nur Mr. Procter und der Diener des Hauses blieben in dieser Nacht ebenfalls in der Mühle. Nach Mitternacht hörten die beiden Besucher angeblich, wie Schritte die Treppe hinabstapften. Dr. Dury erinnerte sich, dass er eine Frauengestalt gesehen hat, die sich an die Brust fasste und schrie. Als er versuchte, die Frau zu fassen, fiel er durch sie hindurch. Die nächsten drei Stunden seiner Erinnerung fehlten ihm, doch die anderen fanden ihn in einem verängstigten Zustand und mussten ihn nach draußen tragen.

Trotz des Vorfalls blieb die Familie Procter in dem Haus wohnen. 12 Jahre lang erduldeten sie den Spuk, bevor sie 1847 nach Shields zogen. In der letzten Nacht in ihrem alten Heim waren Mr. und Mrs. Procter alleine. In der oberen Etage entstand ein entsetzlicher Lärm. Möbel wurden abermals hin- und her gerückt und Kisten über die Treppe gezerrt. Das Paar fürchtete schon, dass der Spuk vorhatte, mit ihnen umzuziehen. 

Glücklicherweise war dem nicht so und der jüngste Sohn Edmund schrieb, dass er die nächsten acht Jahre im neuen Domizil frei von allen Ärgernissen gelebt hat. Später erkundigte sich Edmund bei den ehemaligen Nachbarn, ob noch weitere Spukerscheinungen oder ähnliches in der Mühle zu sehen war. Der Nachbar bestätigte, dass es noch immer Erscheinungen gab. 

Eine mögliche Erklärung für den Spuk findet sich in Mr. Procters Tagebuch: “Eine alte gebrechliche Frau, die Schwiegermutter von R. Oxon, dem Erbauer des Gebäudes, lebte und starb in diesem Haus, und nach ihrem Ableben sprach man ihr den Spuk zu…“

Der Fall der Procters wurde von Harry Price 1945 in seinem Buch Poltergeist over England aufgenommen. 

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