Europäische Geistergeschichten: Hinter Gittern

Wer das Wort Geistergeschichten hört, denkt meist an Amerika. Kein Wunder. Viele Filme werben mit “Nach einer wahren Begebenheit”. Doch auch Europa hat so manche düstere Legende. Heute begeben wir uns nach England hinter die Mauern des Bodmin Jail.

Neben Anstalten gehören Gefängnisse zu den Gebäuden, die gerne als gruseliger Schauplatz in Horrorfilmen dienen. Doch in England gibt es tatsächlich ein Gefängnis, durch dessen Korridore noch immer ein gespenstisches Raunen und Wispern gehen soll.

1779 wurde das Bodmin Jail am Randes des Bodmin Moores in Cornwall von Sir John Call erbaut. Es sollte ein Ort der grausamen Hinrichtungen werden. Innerhalb von 150 Jahren fanden nachweislich 50 Gefangene den Tod durch den Strang.

Die Gefangenen waren in Bodmin Jail in Einzelzellen untergebracht. Wer heute noch durch die dunklen Gänge streift, kann sich wahrhaftig vorstellen, wie viel Angst die Insassen damals gehabt haben müssen. 1862 erfolgte die letzte öffentliche Hinrichtung. Seine wirklich letzte Hinrichtung erlebte das Gemäuer aber tatsächlich erst 1909. 

1869 wurde Bodmin Jail zu einem Marinegefängnis umgerüstet, bevor es dann im Zweiten Weltkrieg als Versteck für das Domesday Book und die britischen Kronjuwelen dienen sollte. 1927 schloss Bodmin Jail seine Tore endgültig. Zumindest als Gefängnis.

Teile des ehemaligen Gefängnis wurden restauriert und zu einem Gruselkabinett umgebaut. Besucher dürfen sich über Puppen, die den echten Häftlingen nachempfunden wurden, freuen. Schilder informieren über die Verbrechen und Strafen der Verurteilten. Doch noch bevor dieses Gruselkabinett eröffnet wurde, wurde bereits über den Spuk in den düsteren Mauern gemunkelt. Parapsychologen suchten den Ort auf, um sich Poltergeistern zu stellen, die regelmäßig ihr Unwesen im Bodmin Jail trieben. 

Selina Wadge

Einer dieser Geister und auch eine der Hauptattraktionen des Gruselkabinetts ist Selina Wadge. Sie war gerade einmal 27 Jahre alt, als sie 1878 wegen des Mordes an ihrem zweijährigen Kind zum Tode durch den Strang verurteilt wurde. Ihr Sohn war in einem Brunnen ertrunken. Beweise für Selinas Zutun gab es nicht. Und selbst die Presse und die Öffentlichkeit erwartete, dass vor dem Vollstrecken des Urteils eine offizielle Begnadigung eintreffen würde. Diese blieb jedoch aus. Selbst die Gefängniswärter hatten Mitleid mit der jungen Frau, da sie sich sicher waren, dass sie nicht zurechnungsfähig war. 

Selinas Geist erscheint jedoch nicht jedem. Nur Kinder und Schwangere sollen wohl die weinende Frau sehen können. Doch auch andere Geister von Schuldigen und Unschuldigen wandeln durch die dunklen Gänge. Wer genug Mut hat, kann eine ganze Nacht mit einem Geisterjäger in dem Gebäude verbringen. 

Das Beitragsbild stammt von der Seite Pixabay und wurde von Mysticsartdesign erstellt.

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