Nach einer wahren Begebenheit: The Girl Next Door

The Girl Next Door oder Jack Ketchum’s Evil gehört selbst für Stephen King laut DVD-Cover  zu einem der schockierendsten Filme, der amerikanischen Filmgeschichte. Dass die Handlung des Films dann auch noch auf einer wahren Begebenheit beruhen soll, macht diesen um so erschütternder.

Warnung: Im folgenden Fall geht es um schwere körperliche und sexuelle Misshandlung.

Film und Buch Handlung

Der Film The Girl Next Door orientiert sich an dem Roman Evil von Jack Ketchum. Bereits zwischen Film und Buch gibt es in der Handlung einige Unterschiede. Beginnen wir jedoch mit dem Film: Im Jahr 1958 ziehen die Geschwister Meg (Blythe Auffarth), 14 Jahre alt, und Susan (Madeline Taylor), 12 Jahre alt, nach dem Unfalltod ihrer Eltern zu ihrer Tante Rutherine ‚Ruth‘ Chandler (Blanche Baker). Mit im Haus leben die drei Söhne von Ruth und Meg bemerkt schnell, dass Ruth mit der Situation überfordert ist; insbesondere da auch noch Susan seit dem Unfall auf krücken angewiesen ist. So müssen die beiden Mädchen schnell verbale Demütigungen von ihrer Tante erdulden. 

Während Ruth immer ungehaltener mit den Mädchen umgeht, schließt Meg mit dem Nachbarsjungen David (Daniel Manche) Freundschaft. Dieser muss mit ansehen, wie Ruth anfängt, Susan auch körperlich anzugehen und diese für Megs angebliche Vergehen zu schlagen. Der Junge ist überfordert mit der Situation, weil er Ruth bereits seit Jahren kennt und in dem Haus ein- und ausgeht. Meg hingegen sucht sich bei der Polizei Hilfe, diese wird jedoch schnell von Ruth abgewimmelt. Aus Zorn über Megs Versuch, sich Hilfe zu holen, sperrt Ruth diese in den Waschkeller. Nackt und an gefesselten Handgelenken aufgehängt wird Meg von ihrer Tante und dessen Söhne gefoltert. Immer mehr Jungs aus der Nachbarschaft werden zu dem “Ereignis” eingeladen. Als David Meg zur Flucht helfen will, eskaliert die Situation und Meg wird nach einer Vergewaltigung die Worte “I Fuck / Fuch me” mit einer glühenden Nadel in den Bauch geritzt. Dies ist Ruth jedoch noch nicht genug und so verbrennt sie mit einem Bunsenbrenner Megs Klitoris. Nachdem Meg das Bewusstsein verliert, schafft es David endlich die Polizei zu alarmieren und Ruth zu erschlagen. Doch für Meg ist es zu spät, sie stirbt in Davids Armen.

Im Roman kommen deutlich mehr Folterungen vor als in der Verfilmung. Außerdem wurde teils das Alter geändert. Anstatt eines Bunsenbrenners nutzt Ruth im Roman ein glühendes Eisen.

Der Mordfall Sylvia Likens

Jack Ketchum schrieb seinen Roman nach dem Fall von Sylvia Likens, der sich im Herbst 1965 in Indianapolis ereignete. Sylvia Marie Likens und ihre Schwester Jenny Fay waren zwei von fünf Kinder des Schaustellerehepaars Lester Cecil Likens und Elizabeth Frances „Betty”. Sylvia wurde als fröhliches Mädchen beschrieben, welches gern tanzte und sang, obwohl das Familienleben der Likens nicht einfach war. Sie mussten häufig umziehen und hatten finanzielle Schwierigkeiten. Daher kam es im Sommer 1965 dazu, dass Lester Likens mit Gertrude Nadine Baniszewski, der Mutter einer kurzfristigen Bekannten seiner Töchter, vereinbarte, dass diese für 20 $ pro Woche die damals 16-Jährige Sylvia und ihre ein Jahr jüngere Schwester Jenny, die an Kinderlähmung litt, aufnahm. 

Getrude Nadine Baniszewskie war zu diesem Zeitpunkt 36 Jahre alt, hat drei gescheiterte Ehen mit Misshandlung hinter sich, sieben eigene Kinder und leidet unter Untergewicht und Depression. Von ihrem ersten Ehemann bekam sie hin und wieder Schecks. Um sich dennoch weiter über Wasser zu halten und die monatliche Miete zu bezahlen, übernahm sie Näh- und Putzarbeiten bei den Nachbarn. Bei den Kindern in der Gegend war  Baniszewskie, für viele nur als Miss Wright bekannt, beliebt. Sie erlaubte unter anderem, dass die Kinder  in ihrem Haus Alkohol tranken.

In den ersten Wochen kamen Sylvia und Jenny gut in dem Haushalt zurecht. Erst als die erste Zahlung von 20 $ verspätet ankam, wendete sich das Blatt. Getrude Baniszewki schlug beide Mädchen mit einem Paddel auf das nackte Gesäß. Später schlug sie die Mädchen nochmal mit dem Paddel, als sie angeblich zu viel bei einem Kirchenessen gegessen hatten. Ab Mitte August konzentrierte Baniszewskie ihren Missbrauch auf Sylvia. Sie schlug das Mädchen und verwehrte ihr das Essen oder zwang sie, verdorbene Lebensmittel zu sich nehmen. Gründe für Strafen fand Getrude Baniszewskie dabei immer wieder und wenn diese nur ausgedacht waren. Der wahre Grund war, wie später viele vermuteten, die Tatsache, dass Sylvia durch ihr schönes Aussehen und ihr junges Alter noch all das vor sich haben würde, was Baniszewskie bereits verloren hatte. 

Als Getrude Baniszewskie erfuhr, dass Sylvia Likens in Long Beach einen Freund hatte, behauptete sie, dass Sylvia mit diesem geschlafen hätte und schwanger wäre. Zu diesem Zeitpunkt war Getrudes eigene Tochter Paula im dritten Monat schwanger. Ab diesem Zeitpunkt lebte auch Paula ihren Frust an Sylvia Likens aus und schubste sie bei jeder Gelegenheit. Bei einer Gelegenheit schlug Paula Sylvia so stark, dass sie sich selbst das Handgelenk brach.

Immer häufiger beschuldigte Getrude Baniszewskie Sylvia Likens der Prostitution und zwang ihre Schwester Jenny Sylvia zu schlagen. Wenn Jenny Sylvia nicht schlug, wurde diese von Getrude misshandelt. In den darauffolgenden Tagen luden die Baniszewskie immer häufiger Nachbarskinder ein, um an der Misshandlung von Sylvia Likens mitzumachen. Sie verwendeten sie als lebende Judo-Puppe und verbrannten sie über hundertmal mit glühenden Zigaretten. Dabei zielten ihre Angriffe immer häufiger auch auf den Intimbereich von Likens. 

Irgendwann wurde Sylvia Likens dazu gezwungen, sich im Wohnzimmer der Familie auszuziehen und sich mit einer Glasflasche von Pepsie zu masturbieren. Währenddessen erklärte Getrude Baniszewskie den Anwesenden, dass diese Darstellung dazu diene, zu zeigen, was für ein Mensch Sylvia Likens wäre. 

Weder Sylvia noch Jenny trauten sich ihrer Familie von den Misshandlungen zu erzählen, aus Angst es könnte dann schlimmer werden. Dennoch besuchte eine Schulkrankenschwester im September das Haus der Baniszewskie, als ein anonymer Hinweis an die Schule gereicht wurde. Die Krankenschwester ließ sich jedoch schnell abwimmeln, als Getrude Baniszewskie behauptete, dass Sylvia Likens schon lange nicht mehr bei ihnen leben würde, sondern abgehauen wäre. 

Sylvia Likens war jedoch noch immer in dem Haus gefangen. Aufgrund der starken Misshandlungen litt sie mittlerweile an Inkontinenz. Als Strafe fürs Einnässen sperrte Getrude Baniszewskie das Mädchen in den Keller und hing sie manchmal tagelang nackt an den Handgelenken ans Treppengeländer, sodass ihre Füße kaum den Boden berühren konnten.

Nachbarsjungen durften sich für fünf Centstücke das Schauspiel ansehen und mit Likens machen, was sie wollten. 

Selbst brannte Getrude Baniszewksie mit einer heißen Nadel die Worte “I’M A PROSTITUTE AND PROUD OF IT” in Sylvia Likens Unterleib. Die Jungs versuchten ein S in die Brust von Likens zu ritzen. 

Noch am selben Tag zwang Getrude Baniszewksie Likens dazu, einen Brief an ihre Eltern zu schreiben, indem sie behauptete, mit einer Gruppe Jungs abgehauen zu sein. Zu diesem Zeitpunkt war für Getrude Baniszewskie klar, dass Sylvia Likens sterben würde. Auch Sylvia Likens war dieser Umstand klar und so versuchte sie zwischen dem 25. und 26. Oktober 1965 zu fliehen, schaffte es aufgrund ihres geschwächten Körpers jedoch nicht. Mit einem Spaten und Hilferufen versuchte Likens die Nachbarn auf sich aufmerksam zu machen. Eine Nachbarin hörte den Lärm auch, da dieser jedoch gegen 3 Uhr morgens verstummte, beschloss sie, sich nicht bei der Polizei zu melden.

Am 26. Oktober musste Sylvia Likens noch einige Misshandlungen über sich ergehen lassen, bevor sie aufhörte zu atmen. Getrude Baniszewksies 15-jährige Tochter Stephanie versuchte noch Sylvia Likens wiederzubeleben. 

Festnahme und Urteil

Getrude Baniszewskie kontaktierte die Polizei und erzählte ihnen eine Geschichte, in der Sylvia Likens abgehauen sei und erst vor wenigen Stunden in dem makaberen Zustand zurückgekehrt sei. Sie stellte sich und ihre Tochter Paula als Retterinnen dar und zwangen auch Jenny die Lüge zu erzählen. In einem unbeobachteten Moment wendete sich Jenny Likens jedoch an einen Polizisten und versprach die ganze Wahrheit zu erzählen, wenn er sie nur aus dem Haus rausholt. 

Die Polizei nahm Getrude Baniszewskie, drei ihrer Kinder und zwei Nachbarsjungen fest. Fünf weitere Kinder wurden später festgenommen. Nach anfänglichen Lügen gestand Getrude Baniszewskie die Tat. Mehr als 150 Wunden wurden an Sylvia Likens festgestellt, wobei ein Schlag auf die rechte Schläfe laut Gerichtsmediziner schließlich zum Tod geführt hatte. Am 29. Oktober wurde die Trauerfeier für Sylvia Likens abgehalten, im November hatten ihre Eltern geplant, sie und Jenny abzuholen.

Am 25. Mai wurden Gertrude und Paula Baniszewski zur lebenslangen Haft verurteilt. Andere Beteiligte erhielten zwischen zwei bis 21 Jahren Haft in einer Besserungsanstalt. Paula Baniszewskie kam im Jahr 1972 frei, Getrude Baniszewski wurde am 4. Dezember 1985 auf Bewährung freigelassen. 

Fazit

Film und Realität bewegen sich in diesem Fall nahe beieinander. Wobei die Grausamkeit des Films nur einen Bruchteil dessen zeigt, was wirklich passiert ist. Auch wir haben hier nicht alle Misshandlungen erwähnt und möchten in diesem Fall den Artikel etwas anders abschließen. Auf Sylvia Likens Denkmal steht: 

I see a light:

Hope.

I feel a breeze:

Strength.

I hear a song:

Relief.

Let them through, for they are the welcome ones!

Beitragsbild von lalesh aldarwish von Pexels

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