The Cleansing – Die Säuberung (Rezension)

Im 14. Jahrhundert wütet die Pest durch ganz Europa, immer mehr Menschen infizieren sich mit der unheilbaren Krankheit. In dieser Zeit sieht sich Alice mit der Tatsache konfrontiert, dass die anderen Dorfbewohner sie für die Hexe und damit für die Ursache der Krankheit halten. Doch ist das wirklich wahr?

Während in den Kinos seit einigen Monaten nun schon keine neuen Filme mehr angelaufen sind und die Auswahl an DVDs, die mein Interesse ernsthaft wecken, langsam knapp wurden, war es mal wieder Zeit, einen Film vom Grabbeltisch mitzunehmen. Meine Wahl fiel aufgrund des Covers auf The Cleansing. Meine Erwartung war sehr gering: typisch schönes Cover, aber miserabler Film.  Doch vielleicht gehört The Cleansing auch zu den wenigen Blüten auf dem Grabbeltisch, die nur darauf wartet, entdeckt zu werden.

Pest und Hexen

Alice (Rebecca Acock) ist jung und das einzige Kind, dass die Pest in einem kleinen Dorf überlebt hat. Alle anderen Kinder sind der furchtbaren Krankheit sehr früh zum Opfer gefallen. Als dann auch noch ans Licht kommt, dass Alice die ganze Zeit verheimlicht hat, dass ihre Mutter auch an der Pest erkrankt ist und damit die restlichen Bewohner in Gefahr gebracht hat, bringt sie das Dorf gänzlich gegen sich auf. Kurzerhand wird ihre Mutter vom Läuterer (Cleanser), der sich hinter schwarzer Robe und Pestmaske verbirgt, getötet. Auch Alice soll bestraft werden, doch der Priester (Rhys Meredith) verspricht Hilfe, sofern sie sich ihm hingibt. Alice verweigert dies und schon bald sieht sie sich mit der Anschuldigung konfrontiert, dass sie jene Hexe sei, die die Pest übers Land gebracht hat. Nach etlichen Torturen schafft sie es, in den Wald zu fliehen. Zu ihrer Überraschung trifft sie auf einen Heiler (Simon Nehan), der ihr nicht nur Zuflucht bietet, sondern auch ihr Kräuterwissen nach und nach immens erweitern kann. Doch wird Alice ihr Wissen für Heilung oder Rache nutzen?

Genre-Mischmasch

Der Film fängt eigentlich ganz gut an. Schauspieler und Setting sind passabel und auch die deutsche Synchronisation ist überraschend angenehmen. Die ersten Minuten lassen ein Historiendrama mit der Thematik Unterdrückung der Frau erwarten, auch wenn neben viel zu sauberen Gewändern historische Fehler (Pestmaske gab es zu dieser Zeit noch nicht) durch das Werk schleichen, kann dies bei richtiger Erzählung zu einer spannenden Geschichte werden. 

Doch plötzlich verwischt der Film die Genregrenzen, indem dezente Horrorelemente genutzt werden, und lässt die Frage, ob es Magie nun gibt oder nicht, sehr lange offen. Das ist kein Makel, solange ein Film noch weiß, wo er eigentlich ankommen will. Aber obwohl The Cleansing nur 90 Minuten geht, scheint dieser eben nicht recht zu wissen, wo die Reise hingehen soll. Und so gibt es zwischendrin immer mal wieder lange Passagen ohne wirklich nennenswerte Handlung. 

Die Optik

Dafür kann der Film etwas anderes ganz gut: Optisch ist er ein naturnahes Kunstwerk. Wälder wirken bedrohlich, ohne ihren Naturcharakter zu verlieren. Auch Momente mit “Visionen” sind durchaus gut umgesetzt. Effekte und Wunden sind ebenso akzeptabel visualisiert und zerstören nie die Illusion durch Lächerlichkeit, wie manch anderer Film mit zu geringem Budget.

Fazit

The Cleansing hat viele sympathische Ansätze, scheitert letztlich jedoch an der Ausgestaltung. Auch die Pest hätte stärker in den Fokus gerückt werden können, anstatt nur eine Randerscheinung der Dialoge zu bleiben und mit eher dezenten Hautflecken daherzukommen. Der Film ist daher definitiv nichts für Fans von Historienfilmen oder Personen, die nach dem nächsten Horrorschocker Ausschau halten. Wer jedoch ein nettes Drama für einen Abend sucht, kann hier durchaus fündig werden.

Filmtitel: The Cleansing – Die Säuberung
Regisseure: Anthony Smith
Erscheinungsjahr: 2020
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
Spieldauer: 98 Minuten 

Das Beitragsbild ist ein Ausschnitt des DVD-Covers. Alle Bildrechte liegen bei ©Sony_Pictures

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