Remakes 2019: Muss man diese Horrorfilme nochmal schauen?

Wir hatten uns bereits vor einigen Wochen mit den Horrorfilmen aus dem Jahr 2019, die im Kino liefen, beschäftigt. Einige haben uns gefallen und andere nicht. Doch wie sieht es mit den Remakes aus?

Child’s Play

Das Original stammt aus dem Jahr 1988. Der Serienkiller Charles Lee Ray wird auf seiner Flucht von dem Polizisten angeschossen. Er flüchtet sich in einen Spielzeugladen. Dort versetzt er seine Seele mit Hilfe eines magischen Rituals in eine „Good-Guy“-Puppe. Genau diese Puppe erhält der kleine Andy Barclay (Alex Vincent) von seiner Mutter zum Geburtstag. Als sich die ersten Morde ereignen, bekommt ausgerechnet der kleine Junge die Schuld dafür. 

Der Film war bei seinem Erscheinen tatsächlich nur ein mäßiger Erfolg, entwickelte sich aber letztlich zu einem Kultfilm unter den Fans des Horrorgenres. Als Vorlage für den Film dienten die Gerüchte und Legenden um die Puppe Robert.

Im  Remake schlägt die Handlung schon zu Beginn einen ganz anderen Weg ein: Der internationale Technologie-Konzern Kaslan bringt die Hightech-Puppe Buddi auf den Markt, die sich bei Kindern weltweit großer Beliebtheit erfreut. Das Unternehmen wirbt damit, mit der Buddi-Puppe ein revolutionäres Spielzeug geschaffen zu haben, das seinen Besitzern als neuer bester Freund in allen Lebenslagen zur Seite steht. Der mit einer künstlichen Intelligenz ausgestattete Buddi lernt von seiner Umgebung und handelt dementsprechend. Zudem kann sich die Puppe mit anderen Geräten der Firma Kaslan verbinden und diese steuern. In der Produktionsfabrik herrschen jedoch harsche Arbeitsbedingungen, sodass ein geschundener Mitarbeiter aus Rache die Sicherheitsprotokolle einer solchen Buddi-Puppe deaktiviert. Die manipulierte Buddi-Puppe wird verpackt und landet letztlich bei der Familie Barclay in Chicago. Andy, hier deutlich älter als im Original, freut sich über die Puppe, doch schon bald beschleicht ihn das Gefühl, dass mit ihr etwas nicht stimmt. 

Insgesamt wurde versucht, einem Kultfilm ein modernes Gewand zu verleihen. Die Meinungen über das Ergebnis gehen jedoch stark auseinander. Das liegt vielleicht daran, dass der Film manchmal so wirkt, als ob er nicht weiß, was er sein will. 

Friedhof der Kuscheltiere

1989 erblickte die Romanverfilmung von Stephen King erstmals das Licht der Welt, der sogar selbst am Drehbuch mitwirkte: Der Mediziner Dr. Louis Creed übernimmt den Posten als Leiter der Krankenstation der University of Maine. Gemeinsam mit seiner Frau Rachel und den Kindern Elli und Gage bezieht er daher ein Einfamilienhaus in der fiktiven Kleinstadt Ludlow nahe der Route 15. Während Rachel mit den Kindern auf Besuch bei ihren Eltern weilt, wird der Kater der Familie Church von einem Lastwagen an genau dieser Route überfahren. Der in die Jahre gekommene Nachbar Jud führt Louis daraufhin zu einem Tierfriedhof, um den Kater zu beerdigen. Zu Louis’ Überraschung zeigt er ihm jedoch ein verstecktes Felsplateau weit hinter dem Tierfriedhof, eine alte Begräbnisstätte der Micmac-Indianer. Am nächsten Tag erscheint Church vor der Haustür der Familie. Doch er riecht penetrant nach Erde und er zeigt ein aggressives Verhalten. Als dann der Sohn der Familie tragischerweise ebenfalls von einem Laster erfasst wird, gibt es für den trauernden Louis nur eine sinnvolle Option.

Das Remake des Kultfilms beginnt mit der Vorschau aufs Ende. Ansonsten bewegt sich die Handlung in eine ähnliche Richtung wie das Original, spielt jedoch immer wieder mit den Erwartungen der Filmkenner, um sie dann doch wieder in die Irre zu leiten. Allerdings wurde die wohl größte Überraschung bereits im Trailer vorweggenommen: Dieses Mal findet die Tochter und nicht der Sohn den Tod und wird auf dem mysteriösen Friedhof begraben. Schauspielerisch bewegt sich das Remake teilweise sogar auf einem höheren Niveau als die Vorlage. Für diejenigen, die insbesondere den alten Filmen kaum mehr Positives abgewinnen können, ist dieses Remake zweifellos einen Blick wert. Und falls nicht: Bücher werden ja bekanntlich immer mal wieder neu verfilmt. Die nächste Gelegenheit kommt bestimmt.

Rabid

Das Original stammt aus dem Jahr 1977 und wurde unter der Leitung von David Cronenberg produziert. Der Film beginnt mit einem Verkehrunfall des jungen Paars Rose und Hart. Die beiden werden gerettet und in die nahegelegene Keloid Clinic, ein Institut für plastische Chirurgie, gebracht. Während Hart nur leicht verletzt ist, hat Rose schwere Verletzungen davongetragen. Dr. Dan Keloid, der Leiter der Klinik, entschließt sich, an Rose ein neues, hochriskantes Behandlungsverfahren anzuwenden, wobei er das Risiko einer unkontrollierten Wucherung des noch unerprobten Transplantats willentlich in Kauf nimmt. Nach Wochen im Koma erwacht Rose – scheinbar wieder gesund. Bald stellt sich jedoch heraus, dass sie nicht mehr in der Lage ist, normale Nahrung zu sich zu nehmen, sondern sich vom Blut anderer Menschen ernähren muss. Dieses nimmt sie mithilfe eines neu entstandenen penisartigen Organs in ihrer Achselhöhle in sich auf. Ihre Opfer erkranken daraufhin an einer Art Tollwut.

Die berüchtigten Regie-Schwestern Jen Soska und Sylvia Soska wagten sich an ein Remake von Cronenbergs Film: Rose (Laura Vandervoort), dieses Mal eine schüchterne Schneiderin, arbeitet für den exzentrischen Modedesigner Gunter (Mackenzie Gray). Die junge Frau träumt davon, auch irgendwann eine erfolgreiche Modedesignerin zu werden. Doch nach einem Verkehrsunfall ist Rose Gesicht dermaßen entstellt, dass sie ihren Lebenstraum aufgibt. Erst als sie auf die Klinik aufmerksam wird, in der der Arzt Dr. Keloid (Stephen McHattie) mit Hilfe einer neuartigen Stammzellenbehandlung eine schnelle Heilung verspricht, schöpft sie wieder neue Hoffnung. Und der Arzt hat ihr nicht zu viel versprochen: Ihr Gesicht heilt schnell, doch mit der Heilung kommt auch der Blutdurst. 

Das Remake greift  zwar immer wieder auf einzelne Plot-Elemente und Motive aus dem Original zurück, bringt jedoch im Zuge der Neuinterpretation auch erfrischende und eigenständige Ideen mit in den Film. Lediglich die plumpen Figuren schmälern das Resultat ein wenig. Dennoch definitiv ein Film dessen Remake man sich ansehen kann.

Black Christmas

Black Christmas von Bob Clark kam unter dem Titel „Jessy – Die Treppe in den Tod“ in die deutschen Kinos. Der Film gehörte 1974 zu den Mitbegründern des Slasher-Genres. Das Original handelt von einer Gruppe Studentinnen, die an Weihnachten in ihrem Wohnheim von einem psychopathischen Killer bedroht werden. Der Film führte einige Motive ein, die sich noch heute in Slasher-Filmen wiederfinden.

2006 erhielt Black Christmas sein erstes Remake: Der damals noch namenlose Killer erhält den Namen Billy und eine dramatische Hintergrundgeschichte, in der er seine Mutter und seinen Stiefvater abschlachtet und seiner kleinen Schwester ein Auge aussticht. In der Konsequenz landet Billy in einer Anstalt. Sein ehemaliges Wohnhaus, das in Billys Abwesenheit lange leer steht, wird irgendwann zur Herberge einer Studentinnenverbindung umfunktioniert. Die sechs Studentinnen und ihre Hausmutter freuen sich auf das bevorstehende Weihnachtsfest. Doch plötzlich verschwindet eine der Studentinnen und der Telefonterror beginnt. Das erste Remake bewegt sich sehr weit weg vom Original, sodass dieses vielmehr als eigenständiger Film gesehen werden kann.

2019 bringt uns sogar noch ein weiteres Remake von Black Christmas: Der Campus des Hawthorne College ist wie leergefegt, denn Weihnachten steht vor der Tür und die meisten Studenten wollen die Feiertage im Kreis ihrer Familie feiern. Nur Riley Shane (Imogen Poots) und ihre Kommilitoninnen Marty (Lily Donoghue), Kris (Aleyse Shannon) und Jesse (Brittany O’Grady) bleiben zurück und machen sich ein paar entspannte Tage im Haus ihrer Verbindung. Zumindest wollten sie das, denn plötzlich macht ein maskierter Mann Jagd auf sie. Wem können sie noch trauen?

Dieses Remake versucht sich daran, viele Themen zu behandeln, wenn die Protagonisten über Vergewaltigungskultur, Problemen mit Verbindungsjungs und institutionalisierter Frauenfeindlichkeit sprechen und auch erleben. So löblich diese Versuche auch sind, büßt das Remake im Zuge dessen einige wesentliche Stimmungselemente ein.  Zum Ende hin ist weder vom Horror noch vom Original noch etwas zu spüren bzw. zu sehen. Dennoch ist das 2019er Remake auf seine Art und Weise gut und lässt sich wie bereits das Remake aus dem Jahr 2006 eher als eigenständiges Werk begreifen. 

Fazit

Bei allen vier Remakes handelt es sich um gut gemachte Filme. Die Frage ist jedoch immer: Braucht es diesen Film nochmal? Manchmal schon. Manchmal kann ein Remake sogar besser sein als das Original. Was insbesondere bei Klassikern natürlich eine Herausforderung ist. Ein Remake hat immer dann ein Mehrwert, wenn genug Jahre zwischen Original und Remake liegen und das Remake nicht nur eine blinde Kopie ist, sondern die Stärken des Originals herausgreift und es schafft, eigene neue Aspekte hinzuzufügen, die dem modernen Zeitgeist entsprechen.

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